8. Mai 2023

Die Kraft der Weiblichkeit scheint ein Widerspruch in sich zu sein. Mit Kraft verbinden wir eher männliche Qualitäten wie Durchsetzung, Kampf oder Herrschaft. Weiblichkeit scheint eher eine Schwäche zu sein. Dieser Artikel zeigt, dass vielleicht gerade diese Denkweise die Wurzel von vielerlei Übel in der Welt ist, und wie wir auch ganz anders denken und vor allem fühlen können.

Die Kraft der Weiblichkeit

Unwillkürlich, dem Einfluss der FeministInnen trotzend, verbinden wir Weiblichkeit eher mit Unterwürfigkeit und Schwäche. Auch die Hingabe scheint nicht wirklich hoch im Kurs zu stehen. Wer von den Herrschern, oder provokativer gefragt, wer von den Männern wünscht sie sich nicht. Man(n) wünscht sie sich aber nicht für sich, sondern für die anderen, insbesondere für die Frauen. Genau das suggerieren uns althergebrachte männlich archaische Macht-Phantasien, die unsere Triebe lenken.

An diesem Punkt mögen wir spüren, wie unangenehm diese Themen sind, wie verdreht unser gesellschaftlicher Mainstream denkt und fühlt. Wirkliche Alternativen aber fehlen weitgehend. Sie führen uns direkt in unbekannte und gefährlich wirkende Gefilde. In höchst ungewohnte Perspektiven, die vieles, zu vieles womöglich in Frage stellen: Was, wenn Schwäche eigentlich Stärke ist? Was, wenn Demut eigentlich das ist, was unsere Welt so bitter nötig hat? Was, wenn das Männliche gar nicht so über alles erhaben ist und wenn ihm genau das fehlt, wovor es sich womöglich am meisten fürchtet: Hingabe?

Formen der Hingabe

Die Hingabe wird von einer inneren Begeisterung, einem inneren Feuer entfacht. Sie ist die Tür zur Liebe. So sind denn auch die Begriffe Hingabe und Liebe eng verwandt.

Ein Enthusiasmus oder eine Leidenschaft ergreift uns und wir fühlen uns angezogen von einem Menschen oder einer Sache. Geprägt wurde der Begriff Hingabe durch die christliche Theologie. Heute wirkt der Begriff etwas verstaubt. In anderen, vor allem östlichen Religionen, kommt die Hingabe oder Devotion deutlich besser weg als in unserem Mainstram-Denken. So spricht man im Osten bei hingebungsvollen religiösen oder spirituellen SchülerInnen von Devotees. In Indien ist der Weg des Bhakti, der Weg der spirituellen Hingabe (Bhakti-Yoga) einer von vier Wegen der Vereinigung mit dem Göttlichen.

Grob können wir drei Formen der Hingabe unterscheiden.

Körperliche und sinnliche Hingabe (vertikal absteigend)

Die körperliche Hingabe ist eine Hingabe an unsere Sinne, an den Genuss. Die Griechen sprachen hier von Hedonismus. Diese Philosophie geht davon aus, dass das Leben aus Steigerung von Lust und Vermeidung von Schmerz bestehen sollte. Sie kann im Übermass auch in Genuss-Sucht oder überhaupt Sucht enden. Die passende Liebeskraft in diesem Sinne ist Eros.

In der indischen Philosophie, dem Hinduismus und später Buddhismus, ist die Lehre des Tantra bekannt. Der Tantrismus verbindet die Sinnlichkeit mit Spiritualität.

Soziale Hingabe und der Enthusiasmus (horizontal)

Die horizontale Hingabe meint die liebende und freundschaftliche Hinwendung zu unseren Nächsten. Die Griechen sprachen hier von Philia. Diese Ebene fand durch die Lehre der Nächstenliebe auch im Christentum eine hohe Aufmerksamkeit.

Formen der Hingabe und Liebe

Spirituelle Hingabe (vertikal aufsteigend)

Die spirituelle Hingabe (griechisch Agape, göttliche Liebe) richtet sich auf Gott oder das Göttliche. Letztlich ist diese Hingabe radikal und führt dazu, das Ego zu überwinden (>siehe hier). Spirituelle Hingabe meint im positiven Sinne eine Schicksals-Ergebenheit. Es meint das anzunehmen, was ist.

In einem übertriebenen Sinne kann dies zu Fatalismus führen. Der Fatalist ist gefanen in Resigation und bemüht sich schon gar nicht mehr. Der im positiven Sinne Schicksals-Ergebene tut alles mit bestem Wissen und Gewissen und nimmt alles so, wie es kommt. Im Daoismus spricht man von Wu Wei, dem aktiven Nichts-Tun. Eine kleine Anekdote von Eckhart Tolle aus dem Leben von Jiddu Krishnamurti illustriert dies amüsant:

Anekdote von Eckhart Tolle zum Geheimnis von Jiddu Krishnamurti

Die Hingabe ist keine schrille Präsenz. Sie ist eine bescheidene, stille Wegbegleiterin, die auch schnell und vielleicht all zu oft übersehen wird. Ich bin überzeugt, dass sie ein zentraler Schlüssel ist für die Heilung von uns selbst und unserer Gesellschaft.

Mein Angebot für dich

Wenn dich dieser Weg anspricht, lade ich dich herzlich ein, dich in meinen Lebensmatrix-Ausbildungen, Kursen und Begleitangeboten zu vertiefen. Gemeinsam gestalten wir einen Raum, in dem dein inneres Wachstum gefördert, reflektiert und gestärkt wird. Wenn du fragen hast, stehen wir unverbindlich und kostenlos im Rahmen eines telefonischen Infogespräches zur Verfügung. Wenn du mehr wissen willst, zeigt dir eine Standortbestimmung im Rahmen eines Vorgespräches deine Ressourcen und Potenziale auf (CHF 150.–). Beide Angebote können online gebucht werden. 

Gemeinsam setzen wir den Fokus auf dein inneres Wachstum, damit du selbstbestimmt, lebendig und mit Freude deine Wahrheit leben kannst. Lass uns gemeinsam auf diese Reise gehen – für ein erfülltes, authentisches Leben im Einklang mit deinem wahren Selbst.

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30. April 2023

Das Ego spielt im Allgemeinen in Bezug auf das Persönlichkeitswachstum eine verkannte Rolle, denn es ist unbewusst. In spirituellen Kreisen wiederum hat das Ego einen schlechten Ruf. Zu Unrecht. Das Ego ist eine wichtige Komponente im Bereich des Persönlichkeitswachstums.

Selbst – Ich – Ego

Zunächst muss die Funktion des Ego in der menschlichen Psyche verstanden werden.

Das Ich und das Ego (lat. ‚Ich‘) sind unmittelbar miteinander verbunden. Das Ego ist der unbewusste Teil, der Schatten, des Ich. Das Selbst ist die leuchtende Sonne in unserem Inneren.

Das Selbst ist, was ich in Wirklichkeit bin: reines Bewusstsein. Ab einem reiferen Entwicklungsgrad des Menschen ist das Selbst direkt als innerer Beobachter oder Zeuge (Zeugenbewusstsein) erlebbar. Ich sitze da und tue etwas, das Selbst beobachtet mich dabei.

Das Ich ist der bewusste Teil von mir, den ich mir zuschreibe. Ich habe einen Körper, ich habe Gefühle, Gedanken, Triebe, Impulse, Empfindungen, Eingebungen… All das sind Bausteine meiner Individualität, als die ich mich erlebe und die mich von anderen unterscheidet.

Das Ego (bei Jung Persona) ist der unbewusste Teil des Ich, den ich nach aussen hin zeige. Das Ego versucht, dem Ich im Leben Vorteile zu verschaffen und nutzt dabei wie das Ich Gefühle, Gedanken etc. aber unbewusst (unbewusstes diskursives Denken, unbewusste Gefühle (Emotionen)).

Das Ego setzt sich als Anwalt unermüdlich ein und möchte für den Mandanten (das Ich) eine reine Weste behalten. Verantwortungen werden abgeschoben. Das Ego kann sogar eine Kriegs-Situation heraufbeschwören und unerbittlich, auch mit unlauteren Mitteln, kämpfen: Koste es, was es wolle.

Das Ego ist ein Herd der Unruhe, weil es für die Zukunft ständig etwas will oder Vergangenem nachtrauert. Das Selbst hat seine Existenz im Jetzt, das Ego in der Zukunft und der Vergangenheit.

Die drei menschlichen Teile können schematisch wie folgt dargestellt werden:

Selbst – Ich – Ego – Welt schematisch dargestellt

Michael Depner meint zum Ego: „Das Ego mag ein guter Diener sein, ein guter Meister ist es nicht.“ (Link ganz unten)

Ego-Reifung

Das Ich und das Ego sind bei der körperlichen Geburt noch nicht entwickelt. Sie treten erst im Laufe der Reifung ab ca. 2. – 3. Lebensjahr auf, wenn das Kind beginnt ‚Ich‘ zu sich zu sagen. Vorher würde es zu sich sagen: „Mia hat hunger.“

Wenn der Säugling schreit, wenn er Hunger hat (Bedürfnis aus dem Jetzt), ist das nicht aus einem egoischen Trieb, sondern aus einem animalischen Trieb heraus. Wenn das vierjährige Kind sich aber vor der Supermarkt-Kasse auf den Boden wirft und schreit, weil es Süssigkeiten (Schein-Bedürfnis für die Zukunft) bekommen möchte, ist das ein egoischer Trieb.

Mit der Ich-Festigung und -Reifung wächst auch das Ego. Es feiert seine Hochkonjunktur in der Lebensmitte. Mit zunehmender Reifung aber verliert das Ego und das Ich seine Bedeutung und öffnet sich mehr und mehr. Ein starkes Ich ist wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung. Das Ich oder Ego kann zu stark, aber auch zu schwach entwickelt sein. Spezifische Ich-Schwächen wiederum können zur Entgleisung des Egos führen und sind Ursache für psychische Erkrankungen.

Ego-Entwicklung im Kontext der Bewusstseinsentwicklung in der Lebensmatrix

Dynamische Multiplizität des Ego

Das Ego spielt im Leben eine höchst dynamische Rolle (Ego-States). Je nach Situation braust es auf und setzt sich durch, oder es wirkt schwach und möchte bemitleidet werden. Das Ego ist also nicht statisch. Ein gesundes Ich wie ein gesundes Ego nutzen das ganze Lebensspektrum. In der Persönlichkeitsentwicklung des Menschen kann es durch Einseitigkeiten zu Störungen oder psychischen Krankheitsbildern kommen, wenn das Ich sich einseitig entwickelt. Dazu ein Beispiel:

Jonas wächst in einer Eineltern-Familie bei seinem cholerischen Vater auf. Eine mütterliche Zuwendung und unterstützende Fürsorge kommen zu kurz. Das Ich von Jonas entwickelt in diesem Bereich eine Schwäche. Das Ego von Jonas versucht nun kompensatorisch andere zu bemuttern (Primärkompensation) und entwickelt eine Tendenz, latent andere zu übergehen (wie der Vater von Jonas, Sekundärkompensation). Diese polaren Mechanismen kann man in der Lebensmatrix als multipolarem Seelen-Modell sehr gut nachvollziehen. In Kursen und Ausbildungen lernen wir Schritt für Schritt, diese Schatten-Anteile bewusst zu machen und aufzulösen.

Ego und Kompensations-Strategien

Das Ego kann in diesem Sinne Einseitigkeiten oder „Eskalations-Stufen“ von verschiedenem Ausmass umfassen: Egozentriker (Neurotiker)- Egoist (Persönlichkeitsakzentuierung) – Egomane (Persönlichkeitsstörung).

Ego-Fallen

Vereinfacht kann die Vielfalt des Egos als unterschiedliche Formen der Angst beschrieben werden (oder aus der Sicht des Selbstes Kontraktionen).

Formen der Angst des Ego, Egofallen

Angst: Rückzug des Ich und die Angst vor der Angst. Sich erst gar nicht mehr zeigen

Gewalt: Ich über das Leid von anderen rücksichtslos hinwegsetzen.

Manipulation: Eigennützig Interessen durchsetzen.

Kritik: Urteile fällen und andere durch Kritik in den Schlamassel ziehen.

Wohllust: Der hedonistische Trieb der Lust-Maximierung.

Gier: Das Streben nach immer mehr.

Ohnmacht: Sich selber entmächtigen und blockieren.

Die Transzendierung des Ego

So wie es für die Persönlichkeitsentwicklung des Menschen zunächst wichtig ist, ein gesundes Ich und Ego zu entwickeln, ist es für die zweite Lebenshälfte und spirituelle Entwicklung wichtig, diese Teile wieder loszulassen. Michael Depner beschreibt dies mit den vier Geburten des Menschen anschaulich und einfach:

  1. Körperliche Geburt: Sie ist einige Jahre nach der Geburt abgeschlossen, wenn der Mensch sich selber erhalten kann.
  2. Psychologische Geburt: Wenn ich selber unterscheiden kann, wer ich bin und gleichzeitig die Relativität meiner Sichtweise erkenne, bin ich psychologisch gereift.
  3. Soziale Geburt: In diesem Stadium bin ich autonom und unabhängig. Ich sehe andere nicht mehr als Werkzeug zur Erfüllung meiner Bedürfnisse.
  4. Spirituelle Geburt: Die spirituelle Geburt ist charakterisiert durch die Überwindung der Dualität, der Erkenntnis des Einsseins mit allem Leben.

Das Ich und Ego ist wichtig für die psychologische Geburt, besteht im Zeitraum der sozialen Geburt und darf transzendiert werden in der spirituellen Geburt. Eine spirituelle Entfaltung macht aus unserer Sicht erst Sinn, wenn eine persönliche Reifung durch eine psychologische Schattenarbeit stattgefunden hat.

Fazit und mein Angebot für dich

Die komplexe Thematik des gesunden Persönlichkeitswachstums und des spirituellen Erwachens erfordert eine ganzheitliche Herangehensweise, die Bereiche der Persönlichkeitspsychologie und Spiritualität vereint. Aus unserer Sicht scheitern sowohl dogmatische Religionen, die über die Köpfer der individuellen Schicksale hinweg predigen wie auch psychologische Konzepte, die eine spirituelle Lebensdimension nicht aktiv einbeziehen.

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Gemeinsam setzen wir den Fokus auf dein inneres Wachstum, damit du selbstbestimmt, lebendig und mit Freude deine Wahrheit leben kannst. Lass uns gemeinsam auf diese Reise gehen – für ein erfülltes, authentisches Leben im Einklang mit deinem wahren Selbst.

Literatur:

Depner, Michael: Identität und Identifikation

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14. April 2023

Eine Reise zwischen Dankbarkeit und Hoffnung

Der Blick nach hinten ist in einer erfolgs-, ziel- und zukunftsgerichteten Welt nicht sehr populär. Einzig im Schamanismus feiert die Ehrung der Ahnen ein Revival. Allerdings eher eines von zweifelhafter, regressiver Natur. Dabei spielt die Kraft der Ahnen aus integraler Sicht eine zentrale Rolle bei der Lösung aktueller gesellschaftlicher Probleme. Nur, in unserer turbulenten überaktiven Gesellschaft liegt diese ruhige, bescheidene Kraft im Schatten unseres Gesichtsfeldes. Martin Bertsch zeigt in diesem Artikel wichtige Hintergründe und Auswege aus einer verkannten gesellschaftlichen Krise.

Was sind Ahnen?

Ahnen sind unsere verstorbenen Vorfahren, deren Erbe wir weitertragen. Die Eltern sind Repräsentanten der Ahnen. Auch verstorbene Kinder gehören in die Kategorie der vergangenen Ahnen. Unseren Ahnen gebührt Dankbarkeit dafür, was sie an Bemühungen erbracht haben, sich selbst und ihr Leben sowie ihre Nachkommen zum blühen zu bringen, selbst wenn die Bemühungen aus unserer Sicht nicht erfolgreich oder wünschenswert erscheinen mögen. Ohne sie, gäbe es uns nicht.

Der Blick zurück ist nicht sehr populär. Ein gesellschaftlicher Schatten steht uns hier vor einer klaren Sicht. Lass mich das hier kurz beleuchten:

Eine gesellschaftliche Entwicklung vor dem Abgrund

Aus der Vogel-Perspektive ist unsere Gesellschaft nicht einfach, wie sie ist. Sie kann heilsam, gewalttätig oder krank sein. Einige humanistische Kulturkritiker wie Erich Fromm, Arno Gruen oder der Zeitgenosse Gabor Maté ragen mit ihrem Geist über den Nebel der Selbstgefälligkeit unserer Gesellschaft hinaus. Das Bild, das sie aus dieser Weitsicht von einer entmenschlichten, wirtschaftsdominierten kalten Gesellschaft zeichnen, ist wenig erfreulich. Die Verdrängung von seelischen Verletzungen und Traumata spielt dabei eine zentrale Rolle.

Aus meiner Sicht ist ein wichtiger, weit unterschätzter Problemfaktor die Unterdrückung der kindlichen Lebensfreude in der frühen Kindheit. Im Autonomie-Bestreben des Menschen zwischen dem symbiotischen Säuglings- und dem vernunftbeherrschten Erwachsenenalter ist diese sprühend freudvolle Extraversion das Lebenselixier des Heranwachsenden schlechthin. Bloss, nicht immer begegnet die Erwachsenen-Welt dieser Energie mit Wohlwollen und Gefallen. Vielmehr ist sie versucht, den kindlichen Sturm- und Drang einzudämmen und, nicht selten früh, all zu früh, an die Vernunft zu appellieren. Mit diesem Erziehungsgebaren wird aus meiner Sicht eine natürliche biografisch bedingte Extraversion eingedämmt und unterdrückt. Es mutet paradox an, dass unsere kompensatorisch überdrehte Welt den lebhaften Spieltrieb des Kindes eindämmt. Uns allen klingen die Imperative der Erwachsenen im Heim-, nicht zuletzt auch im Schul-Kontext aber in den Ohren und haben sich tief in unsere Seele gegraben: Ruhe! Sei still! Konzentriere dich!…

Golden Age, das Schönreden einer biografischen Phase, die in ihrem Wert nicht erkannt wird

So erstaunt es nicht, dass die verfrühte Introversion eine Verdrängung der Lebenslust als Preis hat. Eine Verdrängung, die später aufgrund unserer polaren seelischen Struktur als Kompensations-Mechanismus bei vielen wiederum zu einer unkontrollierten Unruhe bis hin zu einem zerstörerischen Aktivismus führt. Genau dieser Aktivismus fördert dann seinerseits eine Haltung, die die positiven Qualitäten der Introversion zu wenig schätzt und integriert.

In unserer High-Performance-Kultur gibt es eigentlich keinen Platz für den materiellen Zerfall und das Altern, dass nicht nur, aber vor allem Frauen um jeden Preis zu verhindern suchen. Daran ändert auch das oberflächliche Schönreden des „Golden Age“ nichts. Wir haben in unserer Gesellschaft mit Ihrem Wachstums- und Veränderungswahn kein Verständnis mehr für den Wert von Tradition und Lebenserfahrung. Wo früher der Rat der Ältesten die Sippen führte, preschen heute smarte Leistungsoptimierer auf den Plan und versuchen mit ihrem unaufhörlichen Change Management den maximalen Profit für ihre aufgeblasenen Egos aus dem Rest der Normalsterblichen herauszupressen. Die Credit Suisse ist nur eines von vielen traurigen Beispielen dieser ruhelosen Selbstoptimierungs-Spirale: Die Zeche zahlt der Rest!

Introversion: Was uns wirklich fehlt

Die Gesellschaft ist, ohne dass wir das genügend zur Kenntnis nehmen, aus den Fugen geraten. Es fehlt uns die Qualität der Ruhe, Fokussierung auf das Wesentliche, die Geduld, die Weisheit und Lebens-Reife der Introvertierten, der lebenserfahrenen Alten oder gar den Ahnen, die als Weisheit in uns weiterlebt und uns den Rücken stärkt. Nur diese Qualitäten bieten das gesunde Gegengewicht zu einer zeitgenössischen Gier und Unruhe in uns. Die Qualität der Introversion bringt für mich das Lied „Mad World“ von Roland Orzabal zum Ausdruck

Mad World von Pentatonix

Fokussierung, Ruhe aber auch eine melancholische Stimmung prägen das Stück. Zur Introversion gehört ja auch die Trauer, ein weiterer unliebsamer Gast in unserer immer flacheren Welt.

Hindernisse auf der Achse Introversion – Extraversion

Die Achse der Introversion und Extraversion ist für das Wiederfinden des Gleichgewichtes in unserer Gesellschaft von zentraler Bedeutung. Genau auf dieser Achse befinden sich auch die fünf buddhistischen Hindernisse für die Meditation und das menschliche Reifen:

Die Gier nach mehr treibt uns an und führt zu einer stetigen Unruhe in unserem Geist. Auf der anderen, introvertierten Seite der Achse hindern uns Zweifel und eine Trägheit. In der Mitte sitzt das fünfte Hindernis: der Widerstand, sich gar nicht erst einzulassen, weder auf die eine noch auf die andere Seite.

Zauberworte und eine kleine Übung

Es ist nicht zu spät, um sich der gesellschaftlichen Schieflage bewusst zu werden. Der Aufschwung passiert in uns, in einem subtilen Prozess der Selbst-Achtsamkeit. Dazu mag es hilfreich sein, zwei bedeutsame Zauberworte anzuwenden, die in unserer Gesellschaft bedeutsamerweise keine Hochkunjunktur haben.

  1. Dankbarkeit: Die Dankbarkeit ist rückwärtsgewandt und verbindet uns mit der positiven Ahnenkraft, die uns das mitgibt für die Welt, was für uns wichtig ist.
  2. Hoffnung: Sich nicht einfach das nehmen, was man will, sondern geduldig auf den richtigen Moment warten.

Eine kleine Übung zur Aktivierung der Ahnenkraft in uns kann an dieser Stelle hilfreich sein.

Nimm für einen Moment Kontakt auf mit dem Atem und spüre, wie wachsende Ruhe und Entspannung in dir einkehren. Lass los. Richte deine Aufmerksamkeit nach hinten und nimm deinen Rücken und Rücken-Raum wahr. Dehne dich nach hinten aus und nimm Kontakt über den Rücken mit deinen Eltern, Grosseltern und Ahnen auf, die im wahrsten Sinne des Wortes hinter dir stehen. Sieh, wie sie hinter dir eine lange Reihe bilden und dich unterstützen. Spüre, wie du wie eine Spitze ins Leben ragst und dir von hinten all das hoffnungsvoll zufliesst, was du brauchst. Nimm diese Kraft in dir auf und fühle, wie sich diese Kraft in die anfühlt und sich ausbreitet. Öffne dich dieser Kraft, indem du im Gegenzug deine Dankbarkeit den Ahnen zufliessen lässt. Nimm dir zum Schluss der Übung einen Moment Zeit, um zu spüren, wie sich diese Kraft in deinem Körper und deiner Seele anfühlt. Vielleicht spürst du an dieser Stelle auch einen Impuls, den du aus diesem Erlebnis ins Leben tragen möchtest.

Fazit und mein Angebot für dich

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13. April 2023

Bewusstseinsentwicklung ist nicht einfach zu verstehen. Spiral Dynamics etwa ist ein populäres Modell, um menschliche Bewusstseinsentwicklungsstufen zu beschreiben. Die Bewusstseins-Entwicklungsstufen haben dabei nicht nur historische Relevanz, sondern auch eine psychologische. Sie weisen auf Bewusstseinsschichten in uns selber hin. Es ist dabei sehr hilfreich, verstehen zu können, aus welcher Bewusstseinsschicht wir unbewusst handeln.

Die Schwierigkeit bei Modellen der Bewusstseinsentwicklung ist oft, dass diese Modelle relativ abstrakt wirken und wir keinen Bezug zu uns und unserem Alltag herstellen können. Wir haben für die Bewusstseins-Schichten kein wirkliches Gefühl. Hierbei kann eine Reise durch die Bewusstseins- und Werteschichten hilfreich sein, da wir auf diese Weise seelische Entwicklungen besser verstehen können. Gerne lade ich dich deshalb ein zu einer Reise durch die Bewusstseins-Schichten anhand von Film-Trailer. (inspiriert von einem Beitrag auf Integral-Life)

Zunächst die Übersicht:

1. Beige: Archaisch – Instinktiv

Erfüllen von Grundbedürfnissen wie Nahrung, Wasser, Wärme, Fortpflanzung. Instinktgesteuert. Urangst und Überlebenskampf.

‚Der Letze Neandertaler ‚
‚The Revenant‘, ‚Der Rückkehrer‘

2. Purpur: Magisch – Animistisch

Bildung von Clans und Stämmen. Schutz, Sicherheit, Zugehörigkeit durch Aufopferung und Gehorsam. Aberglaube, Tradition und Brauchtum, Rituale, Magie

‚Phantastische Tierwesen‘
‚Der Herr Der Ringe, Die Gefährten‘
‚Harry Potter‘

3. Rot: Früh-Mythisch – Egozentrisch

Streben nach Macht, der Stärkere gewinnt. Unabhängigkeit, Kraft, Dominanz, Mut und Aggression. Selbstvertrauen, Tapferkeit und Respekt. Eroberer und Herrscher

‚Mr. und Mrs. Smith‘
‚Fast an Furious‘
Creed 3: ‚Rocky’s Legacy‘

4. Blau: Spät-Mythisch – Absolutistisch

Regeln und Gesetze in einem Ordnungssystem. Loyalität, Pflichtbewusstsein, Disziplin. Betonung des Kollektiv und Hierarchien. Gerechtigkeit, Pflicht, Wahrheit.

‚Ein Mann für jede Jahreszeit‘
‚Sissi‘
‚Invictus‘

5. Orange: Rational – Strategisch

Individualität und persönlicher Erfolg. Zielorientierung, Leistung und Leistungssteigerung. Prestige und Verantwortung, Wettbewerb, Produktivität, Wohlstand. Wertschöpfung durch monetäres und wirtschaftliches Wachstum.

‚Der Marsianer‘
‚Die Entdeckung der Unendlichkeit‘
‚Star Trek: Strange New Worlds‘

6. Grün: Früh-Integral – Pluralistisch

Konsens und Teamorientierung. Dialog, Partizipation, Harmonie, Toleranz, Wertschätzung und Fairness. Respekt vor Menschenrechten, Empathie, Integration.

‚As It Is In Heaven‘
‚Patch Adams‘
‚Das Glücksprinzip‘

7. Gelb: Integral – Systemisch

Multiperspektivität, Wissen, Kompetenz, Flexibilität, systemisch. Selbstreflexion, Kreativität, Vision, Autonomie und Innovation, lebendiges Wachstum und lebenslanges Lernen.

‚Cloud Atlas‘
‚Everything Everywhere All At Once
‚Matrix‘

8. Türkis: Post-Integral (2. Rang) – Holistisch

Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit. Holistisch, global, ökologisch und intuitiv. Holon, Vernetzung der Welt. Sinnfragen und Verbesserung der Lebensqualität. Hohe Ideale, globale Aussöhnung. Selbstorganisation und Netzwerkintelligenz.

In diesem Segment sehe ich spirituelle Filme, die sich von Spielfilm-Handlungen entfernen.

‚Samadhi Teil 1‘
‚Samadhi Teil 2‘
‚Samadhi Teil 3‘

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9. März 2023

Hochsensibilität, Traumaheilung und Spiritualität. Drei Begriffe, die bei näherem Hinschauen mehr miteinander zu tun haben, als man denkt. In diesem Blogartikel erörtert der Coach, Trainer und Ausbildner Martin Bertsch die tieferen Zusammenhänge rund um diese Themen. Dabei nimmt er Bezug auf neuere Forschungen und wegweisende Erkenntnisse.

Revival der Bewusstseinserweiterung

Mit der 68er Bewegung traten in einer industriell verkrusteten Wohlstandsgesellschaft ganz neue Werte auf. Sexuelle Freizügigkeit, Persönlichkeitsentwicklung und eine Erweiterung von religiösen Sichtweisen und Praktiken brachen sich bahn. Sie bereiteten im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts den Boden für einen wachsenden Markt an New Age- und Esoterik-Angeboten. Der Nährboden für eine neue Spiritualität war gelegt.

Auch in der Psychologie fand parallel zu diesen gesellschaftlichen Entwicklungen eine Abwendung von technischen Vorstellungen statt. Der Mensch wurde nicht länger als Maschine angesehen. Ein Trend hin zu Menschlichkeit, Beziehung, Empathie und Ressourcenorientierung setzte ein. In der humanistischen und später noch deutlicher in der transpersonalen Psychologie rückten Spiritualität und Transzendenz in den Fokus der Aufmerksamkeit. Doch im Schatten dieser Umwälzungen verbreitete sich auch zunehmend die Suchtproblematik und Drogenkonsum.

Bewusstseinserweiterung erlebt heute ein Revival. Etwa Schamanismus, Astral-Reisen, Aura-und Akasha Reading sind en vogue. Selbst psychedelische Therapien etwa mit LSD finden immer mehr Anhänger. Kritisch ist aus meiner Sicht, dass diese Entwicklung als erweitere Form von Selbstoptimierung verstanden werden kann. In diesem Kontext ist etwa auch das Microdosing von LSD zur Leistungssteigerung im Silicon Valley zu verstehen.

Bewusstseinsentwicklung: Spiritualität braucht eine gefestigte Persönlichkeit

Im Zusammenhang mit Bewusstseinserweiterung ist ein Blick auf die Bewusstseinsentwicklungsstufen hilfreich. Aus der Vogelperspektive lassen sich Megatrends und langfristige Entwicklungen erst erkennen. Die Bewusstseinsentwicklung vollzieht sich nach Jean Gebser stufenförmig: von archaisch, magisch, mythisch, rational bis hin zu integral. Im Zuge dieser Entwicklung findet eine Festigung der Persönlichkeit statt (Persönlichkeitsentwicklung). Zudem ist es ein Weg der Entfaltung der Vielfalt. In der zweiten Phase findet eine spirituelle Entwicklung hin zur Einheit und Transzendenz statt. Eine spirituelle Entwicklung in die Transzendenz braucht demnach als Fundament eine gefestigte Persönlichkeit.

Bewusstseins-Entwicklungsstufen und Lebensmatrix

Gesunde Spiritualität und die Prä/Trans-Verwechslung

Auf der Grundlage der Bewusstseinsentwicklungsstufen geht aus meiner Sicht eine wichtige Kritik von Ken Wilber bezüglich der Prä/Trans-Verwechslung hervor. Ken Wilber warnte davor, eine prärationale, (archaisch magische) Spiritualität mit einer reifen transrationalen Spiritualität zu verwechseln (>siehe hier). Das Wiederaufleben magischer Riten entspricht demnach einer Regression und nicht einer wahren Ich-Transzendenz, entspricht einem Rückschritt und keinem Fortschritt.

Prä/Trans-Verwechslung nach Ken Wilber, transpersonale Spiritualität und regressive, präpersonale Spiritualität.
Prä/Trans-Verwechlung nach Ken Wilber, Quelle M. Weinreich

Genau aus diesem Blickwinkel betrachtet können wir sagen, dass es eine gesunde transrationale Spiritualität gibt, die uns mit der Transzendenz und dem Allsein verbindet. Eben diese Transzendenz führt uns zu einem tiefen Erleben des inneren Friedens und Glücks, einem Bewusstsein, das im Hier und Jetzt verankert ist. Aber es gibt auch eine Spiritualität, die verführerisch ist. Sie führt zu einem wattierten Scheinfrieden. Letztlich ist dieser Scheinfrieden eine Regression oder Kompensation. Wir machen uns lediglich vor, dass wir glücklich sind… Willkommen in der Welt des Spiritual Bypassing (spirituelle Umgehung).

Spirituelles umgehen (Spiritual Bypassing) und spiritueller Narzissmus

Der Begriff Spiritual Bypassing wurde vom Psychologen John Welwood im Jahr 1984 geprägt. Gemeint ist damit, dass spirituelle Praktiken und Überzeugungen genutzt werden, um sich schmerzhaften Gefühlen oder tiefen Wunden nicht stellen zu müssen. Dabei werden Gefühle erfolgreich verdrängt und diese Verdrängung auch legitimiert (siehe auch hier).

Die Bestrebung, seine Schattenseiten zu unterdrücken, wird im Laufe der Bewusstseinsentwicklung immer schwieriger. Letztlich mündet sie nicht selten in einer Form des Egozentrismus, dem spirituellen Narzissmus (Scott Barry Kaufmann). In psychologischen Studien wurde gezeigt, dass spirituelle Praxis in vielen Fällen nicht zu einer Auflösung des Egos führen, sondern zu einem Ego-Boosting (Jochen Gebauer, vgl. hier). Ein Phänomen, von dem gerade Heiler, die Energiearbeit praktizierten, betroffen sind.

Weise wie der indische Philosoph Sri Aurobindo warnen denn auch, als spirituell Suchender ein „wachsames Auge auf die Maskerade des Egos und die Hinterhalte dunkler Mächte (zu) haben, die sich selbst als einzige Quelle von Licht und Wahrheit inszenieren und dessen göttlichen Schein nutzen, um sich der Seele des Suchenden zu bemächtigen.“ Kein Wunder, dass für Sri Aurobindo die psychologische Schattenarbeit ein wichtiges Thema war (siehe Fachartikel Integrales Tiefen Coaching).

Schattenarbeit, Integrale Spiritualität und Psychologie

Die Integrale Persönlichkeitsentwicklung und Schattenarbeit setzt genau an diesem Punkt an. Spirituelles Wachstum baut auf einer gesunden und ausgeglichenen Persönlichkeitsentfaltung auf. So geht es darum, in unserer Seele zunächst aufzuräumen und alte Wunden und Verletzungen zu transformieren, die uns an einer wirklichen Transzendenz und wahren Spiritualität hindern.

Einer, der die Zusammenhänge von Bindungstrauma, Sucht und Krankheit erforscht hat und tiefgreifende Zusammenhänge aus seiner Praxis als Arzt erkannt hat, ist der Kanadier Gabor Maté. Der Film ‚Die Weisheit des Traumas‘ (‚The wisdom of Trauma‘) zeigt die fundamentale Wichtigkeit, jenseits von Verletzung uns selbst zu sein. Diese Authentizität ist dann auch Grundlage einer gesunden Beziehungsfähigkeit (vergleiche auch Ehrliches Mitteilen von Gopal Norbert Klein).

Gabor Maté über Traumaheilung

Wahres persönliches Wachstum besteht im Annehmen des Schmerzes: Nur so kann Wachstum und Heilung geschehen. Nur so kann letztlich auch erst spirituelles Wachstum geschehen.

Dissoziation: Ausbruch aus dem Körper, aber wie?

Die Folge von traumatischen Ereignissen kann als Dissoziation beschrieben werden (dissoziative Identitätsstörung). Das überwältigende Erleben einer Bedrohung führt dazu, dass der Schmerz verdrängt wird und der Hilflose erstarrt. Wenn man mit Körpertherapeuten über dieses Phänomen spricht, beschreiben diese meist, dass sich bei diesem Erlebnis die Energie auf der vertikalen Körperebene nach oben verschiebt.

Parallel zu diesem Erlebnis spricht man im Osten bei spirituellen Erleuchtungs-Erlebnissen vom Aufsteigen der Kundalini. Denn die Kundalini-Energie sitzt nach uraltem hindusitischem Glauben im Beckenboden. Erst bei einem spirituellen Erwachen steigt sie in einem vertikalen Kanal nach oben zum Scheitel hin. Auch diese existenzielle spirituelle Erfahrung des Eins-Seins und der Selbst-Erkenntnis seines wahren göttlichen Wesens führt zu einer Dissoziation. Doch wird hier nicht von Angst und Schrecken berichtet, sondern von einem orgasmischen Glücksgefühl. Die Erleuchtungs-Erfahrung wird übereinstimmend aber auch als Desidentifikation (Dissoziation) mit dem eigenen Körper beschrieben. Haben spirituelles Erleben und Trauma-Erfahrungen etwa auch Gemeinsamkeiten?

Posttraumatic Growth und Hochsensibilität

Tadeschi und Calhoun haben in ihren psychologischen Studien ein Phänomen erforscht, auf das schon Viktor Frankl hingewiesen hat: das posttraumatische Wachstum (posttraumatic growth). Sie konnten nachweisen, dass ein Traumaerleben unterschiedlich verarbeitet wird: Viele Menschen erholen sich nach der Krise wieder und erreichen ein Niveau der Lebensqualität wie vor dem Trauma-Erlebnis (b). Andere entwicklen eine posttraumatische Belastungsstörung und eine psychische Beeinträchtigung (c). Resiliente Menschen werden vom Trauma-Ereignis relativ schwach betroffen (a). Das Phänomen des posttraumatischen Wachstums zeigt sich in der Kurve d: Betroffene erfahren hier einen Zuwachs an innerer Reife und einen tiefer empfundenen Lebenssinn. Unter anderem werde auch ein gesteigertes, intensiviertes spirituelles Bewusstsein erfahren wird.

Traumaverarbeitung: a: Resilienz, b Erholung, c posttraumatische Belastungsstörung, d posttraumatisches Wachstum

Wir können annehmen, dass hochsensitive Menschen, die über ein hohes spirituelles Potenzial verfügen, dazu neigen, das Schock-Erlebnis tiefer zu empfinden als andere. Hochsensible haben aber durch ihre hohe Introspektionsfähigkeit und Vorstellungskraft auch ausgeprägte Selbstheilungs-Ressourcen. Gerade auch Hochsensible können durch Trauma-Erfahrungen eine positive Entwicklungsbeschleunigung zu erleben. Nur, selten wird auch ihnen diese in den Schoss fallen. Vielmehr braucht es auch hier die richtigen Methoden und eine tragende Beziehungen. Hochsensible dürften in diesem Sinne zwar nicht unmittelbar eine starke primäre Resilienz aufweisen, aber eine gut entwickelte „sekundäre Resilienz“ und ein Potenzial zu posttraumatischem Wachstum.

Integrale Traumaheilung und ITC (Integrales Tiefen Coaching)

Hochsensible können besonders von spezifischen Trauma-Heilungs-Methoden profitieren. Denn genau diese Zielgruppe empfindet posttraumatischen Schmerz intensiver. Aus diesem Grund ist eine Trauma-Kompetenz und der Umgang mit transformativen Methoden besonders wichtig: Nicht zuletzt auch für ein spirituelles Wachstum.

In den letzten Jahrzehnten haben sich eine Vielzahl von Trauma-therapeutischen Ansätzen und Methoden bewährt:

Somatic Experiencing (SE): Somatic Experiencing ist eine sehr verbreitete Methoden von Peter A. Levine.

Neuroaffektive Beziehungsmodell NARM: Aus dem SE-Ansatz leitet sich auch das Neuroaffektive BeziehungsmodelL NARM von Laurence Heller ab. Diese Methode fokussiert besonders auf Bindungs-Trauma.

EMDR (Eye Movement Disensitization and Reprocessing): Francine Shapiro entdeckte Zusammenhänge von raschen Augenbewegungen und emotionaler Verarbeitung von Traumata.

Ehrliches Mitteilen EM: Ein sozialer und beziehungsoreintierter Ansatz ist das Ehrliche Mitteilen EM von Gopal Norbert Klein.

Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie (PITT): Luise Reddemann hat im Bereich der tiefenpsychologischen Kurzzeittherapie die PITT-Methode entwickelt. Eine Methode, die eine hohe Verbreitung gefunden besonders im stationären Bereich gefunden hat.

Daneben bieten verschiedene Methoden wie Tre (Trauma Realeasing Exercises) oder Traumasensibles Yoga Übungen an, die von Betroffenen selber angewendet werden können und Erleichterung bringen.

Fazit und mein Angebot für dich

Aus meiner Sicht eignen sich für hochsensible Menschen vor allem Trauma-transformative Ansätze, die einerseits den Körper und andererseits die Ebene der Spiritualität miteinbeziehen.

Wenn dich dieser Weg anspricht, lade ich dich herzlich ein, dich in meinen Lebensmatrix-Ausbildungen, Kursen und Begleitangeboten zu vertiefen. Gemeinsam gestalten wir einen Raum, in dem dein inneres Wachstum gefördert, reflektiert und gestärkt wird. Wenn du fragen hast, stehen wir unverbindlich und kostenlos im Rahmen eines telefonischen Infogespräches zur Verfügung. Wenn du mehr wissen willst, zeigt dir eine Standortbestimmung im Rahmen eines Vorgespräches deine Ressourcen und Potenziale auf (CHF 150.–). Beide Angebote können online gebucht werden. 

Gemeinsam setzen wir den Fokus auf dein inneres Wachstum, damit du selbstbestimmt, lebendig und mit Freude deine Wahrheit leben kannst. Lass uns gemeinsam auf diese Reise gehen – für ein erfülltes, authentisches Leben im Einklang mit deinem wahren Selbst.

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8. März 2023

Das Konzept des inneren Kindes

Das populärwissenschaftliche Konzept des inneren Kindes wurde stark von John Bradshaw, Erika Chopich und Margret Paul geprägt. Letztlich ist es ein spezifischer Aspekt der psychischen Multiplizität des Menschen (Vielfalt der inneren Anteile und Teilearbeit). Das Konzept geht davon aus, dass wir alle Kinder waren und dieses Kind-Sein auch in uns Erwachsenen als meist unbewusster Teil weiterlebt. Das innere Kind in uns handelt so, wie wir als Kind gehandelt haben und hat spezifische Bedürfnisse, die wir auch früher als Kind schon hatten: Bedürfnisse nach Schutz, kreativem Spiel etc. Soweit die Theorie in aller Kürze. Was aber sagt mein inneres Kind zu diesen Gedanken? Als Einstimmung auf diese unintellektuelle Ebene hilft vielleicht ein Musikstück von Christian Zehnder:

Christian Zehnders Triohatala bringt musikalisch die Extraversion zum Ausdruck

Mein inneres Kind

Innerer Beobachter: Mein inneres Kind ist vertieft in das Spiel mit Figuren. Es macht hie und da Geräusche mit dem Mund, die an Autos oder Stimmen erinnern. Es kümmert sich nicht um Gedanken und Konzepte, die nicht unmittelbar genug sind. Es ist in einem spielerischen Flow.

Die Beobachtung des inneren Kindes aktiviert weitere Teile in mir:

Innerer Pädagoge: Der innere Pädagoge sucht nach Erklärungen und Interpretationen, macht bezüglich des vertieften Spiels die Assoziation zu Maria Montessoris Polarisation der Aufmerksamkeit. Er stellt sich aber auch Fragen: Was braucht dieses Kind? Schutz und Anregung vermutlich, Aspekte, die Eltern-Anteile dem Kind zuströmen lassen.

Innere Eltern: Die inneren Eltern freuen sich über das intensive Spiel und schaffen einen sicheren Rahmen des Schutzes.

In dieser Art könnte man diese innere Geschichte weiterspinnen und untersuchen. Es gibt dabei einige interessante Aspekte zu erkunden und ich lade Dich ein, einzusteigen in eine Übung mit dem inneren Kind.

Eine Übung zum inneren Kind (wenn Du keine Lust oder Zeit hast, kannst Du diesen Teil auch überspringen)

Nimm dir einen Moment Zeit und komme zur Ruhe. Richte deine Aufmerksamkeit einige Atemzüge auf den Atem, bis du spürst, dass übermässige Anspannungen sich lösen. Spüre nun nach innen und nimm Kontakt auf mit deinem inneren Kind.

Was tut es? Versuche an dieser Stelle nicht deinem Wunschdenken zu erliegen oder zu beschönigen. Es ist in Ordnung, wenn es weint, wütend ist oder Streiche spielt.

Versuche dir nun vorzustellen, was dieses Kind braucht, um so zu sein, wie es ist. Braucht es Grenzen, Zuwendung, Kampf, eine Umarmung, Verständnis. Stelle dir nun vor, dass du diese Qualität dem inneren Kind zuströmst und spüre nach, wie sich das anfühlt.

Nun machen wir ein kleines Experiment. Fühle nun aus der Position des inneren Kindes, wie sich das anfühlt, wenn es das bekommt, was es braucht. Was macht das mit Dir? Wie fühlt sich das an? Was verändert sich in dir (Gefühle, Körper-Haltung und Spannungen etc.)

Mache dir nun bewusst, welche Position für dich gewinnbringender ist: die Position des Spenders und Kümmerers, oder die Position des Empfangenden. Vielleicht magst du auch kurz fantasieren, was sich in deinem Leben verändert, wenn diese Qualität dich dauerhaft begleitet.

Fazit und mein Angebot für dich

Die Integration des inneren Kindes halte ich für die psychische Gesundheit des Menschen als unabdingbar. Viele von uns, gerade auch von Hochsensiblen, leiden unter ungünstigen familiären oder gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, Übergriffen oder Traumata. Sie können dazu führen, dass unsere kreative Lebendigkeit und Freude verdrängt werden von einer unterkühlten Beziehung zu sich selber und anderen gegenüber. Sie können aber auch dazu führen, dass wir in einen kompensatorischen Aktivismus verfallen und uns auspowern. Die Geburtsstunde vieler Burnout-und Erschöpfungs-Depressions-Schicksale liegt in unserer Kindheit, oder genauer gesagt in unserem inneren Kind.

Wenn dich dieser Weg anspricht, lade ich dich herzlich ein, dich in meinen Lebensmatrix-Ausbildungen, Kursen und Begleitangeboten zu vertiefen. Gemeinsam gestalten wir einen Raum, in dem dein inneres Wachstum gefördert, reflektiert und gestärkt wird. Wenn du fragen hast, stehen wir unverbindlich und kostenlos im Rahmen eines telefonischen Infogespräches zur Verfügung. Wenn du mehr wissen willst, zeigt dir eine Standortbestimmung im Rahmen eines Vorgespräches deine Ressourcen und Potenziale auf (CHF 150.–). Beide Angebote können online gebucht werden. 

Gemeinsam setzen wir den Fokus auf dein inneres Wachstum, damit du selbstbestimmt, lebendig und mit Freude deine Wahrheit leben kannst. Lass uns gemeinsam auf diese Reise gehen – für ein erfülltes, authentisches Leben im Einklang mit deinem wahren Selbst.

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2. Februar 2023

So wie wir uns das mit der Selbstfürsorge gedacht haben, funktioniert das nicht. Martin Bertsch zeigt, wie wir echte Selbstfürsorge durch die innere Mutter erfahren und uns selber das geben können, was wir wirklich brauchen. (siehe auch Artikel zum inneren Vater)

So wie wir uns das mit der Selbstfürsorge gedacht haben, funktioniert das nicht

Selbstfürsorge ist eigentlich ein Widerspruch in sich. Selbstfürsorge bedeutet, dass es einen Befürsorger gibt und einen Fürsorgeempfänger und dass beides Teile von mir sind. Genau genommen würde es also heissen: „Ein fürsorglicher Teil in mir bekümmert einen bedürftigen Teil in mir.“ (Es würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen, genauer zu erörtern, wer ich eigentlich selber bin und ob ich selber Fürsorge benötige oder geben kann, und nicht einfach nur stiller Beobachter einer Szenerie meiner inneren und äusseren Welt bin…)

Selbstfürsorge wie wir uns das bislang gedacht ist zwar wohl gemeint, aber bleibt dann ein leerer Vorsatz, wenn wir nicht tiefer in unserer Seele den Teil begegnen, der uns als Helferin und Kümmererin erscheint: unsere innere Mutter.

Die Schrittweise Erkenntnis des multiplen Menschen

Die Erkenntnis, dass der Mensch aus mehreren Teilen besteht, ist alt. (Stichwort von Goethes Faust: „Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust“). In der Psychologie setzte dieses Konzept seit Sigmund Freud Schritt für Schritt zu einem langen Siegeszug an. Die Schritte können wie folge beschrieben werden:

  1. Sigmund Freud beschreibt in seinem Strukturmodell der Psyche (oder ‚Drei-Instanzen-Modell‘) drei Schichten der menschlichen Psyche: das ‚Ich‘, das Über-Ich‘ und das triebhafte ‚Es‘.
  2. Carl Gustav Jung bevölkerte die menschliche Seele mit seinen Archetypen in bedeutender Weise.
  3. Bis dahin blieben die seelischen Teile des Menschen unzugänglich und abstrkt. Es blieb einem weiteren Schüler Sigmund Freuds vorbehalten, hier bedeutende Entwickungen anzustossen. Roberto Assagioli schuf in seiner Methode der Psychosynthese direkte Zugänge zu inneren Teilen und gab damit wichtige Anstösse für die Weiterentwicklung der Psychotherapie.
  4. In der humanistischen Psychologie, insbesondere der Gestalttherapie, wurden diese Impulse zum Beispiel im inneren Dialog breit umgesetzt.
  5. Die systemische Therapie vertiefte diese Ansätze gerade auch in der Arbeit von Richard C. Schwartz.
  6. Schliesslich kam es zu einer breiten Adaption des Konzeptes, etwa in der Ego State Therapie.

Diese spannende Entwicklung führte zu einem immer breiteren Verständnis der menschlichen Psyche, brachte aber auch etliche Schwierigkeiten mit sich.

Kritik an der uneingeschränkten Mulitplizität des Menschen

Die zunehmende Ausdifferenzierung der psychischen Teile brachte aus meiner Sicht aber auch etliche Herausforderungen und Schwierigkeiten mit sich. So setzte eine Tendenz ein, bei der man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sah. Oder genauer gesagt führte die zunehmende Komplexität der psychischen Teile dazu, dass die Gesamtstruktur und das Zusammenwirken der Teile nicht mehr beachtet wurde.

Aus diesem Grund ist es aus meiner Sicht wichtig, beides, die Komplexität und die Struktur im Auge zu behalten und zwischen den Polen ein Gleichgewicht zu schaffen. In meiner Arbeit zeigte sich, dass gerade das Zusammenwirken der psychischen Teile im Gesamtkonstrukt der Seele äusserst bedeutsam ist. Die Reduktion der Teile auf eine innere Familie erscheint in diesem Kontext als sinnvoll.

Die Arbeit mit der Lebensmatrix erlaubt zudem einen direkten Zugang zur Körper- und seelischen Raum-Ebene für Veränderungsarbeit. In Bezug auf die innere Helferin oder innere Mutter erscheint mir zudem ein Aspekt als besonders bedeutsam.

Loslösung von der biografischen Mutter

Die Mutter ist die engste und stabilste Bezugsperson des heranwachsenden Menschen. Die Beziehung zwischen Mutter und Kind beginnt schon lange vor der Geburt. Diese enge Bindung ist natürlicherweise zunächst geprägt von einer Asymmetrie: Das Kind ist in einer abhängigen Position, die Mutter umsorgt das Kind und erfüllt seine Wachstumsbedürfnisse.

Der heranwachsende Mensch gewinnt durch Reifung zunehmend körperliche, seelische und geistige Autonomie. Die Gefahr besteht durch eine mangelnde Reifung, dass auch im Erwachsenenalter Abhängigkeiten weiterbestehen und eine Beziehung auf Augenhöhe dadurch erschwert ist.

Erwachsen werden bedeutet, vollumfänglich für seine körperlichen, seelischen und geistigen Bedürfnisse aufzukommen und Abhängigkeiten aufzulösen. Diese Loslösung fällt vielen besonders bei der Mutter schwer. Sie ist auch nur vollständig umsetzbar, wenn wir selber uns umsorgen können, dass heisst, wenn wir uns selber Mutter sein können. Dies ist der Moment der bewussten Beziehungsgestaltung zur inneren Mutter, der Begegnung mit unserem helfenden und fürsorglichen Teil in uns.

Begegnung mit dem Archetypus der Mutter

Die innere Mutter wurde seit jeher in Religions-Kulturen verehrt als göttliche Mutter und spendete so Unzähligen Trost.

Seit jeher ist die innere Mutter im Aussen in unterschiedlichen Religionen, Mythen und Geschichten verehrt worden und war eine Zuflucht für Menschen in seelischer Not. Die innere Mutter ist also keine Neu-Erfindung der Psychologie, sondern eine Wiederentdeckung in einer säkularisierten Welt von einem existenziellen Teil, der Untrennbar mit dem Leben schlechthin verbunden ist.

Fazit und mein Angebot für dich

Wenn dich dieser Weg anspricht, lade ich dich herzlich ein, dich in meinen Lebensmatrix-Ausbildungen, Kursen und Begleitangeboten zu vertiefen. Gemeinsam gestalten wir einen Raum, in dem dein inneres Wachstum gefördert, reflektiert und gestärkt wird. Wenn du fragen hast, stehen wir unverbindlich und kostenlos im Rahmen eines telefonischen Infogespräches zur Verfügung. Wenn du mehr wissen willst, zeigt dir eine Standortbestimmung im Rahmen eines Vorgespräches deine Ressourcen und Potenziale auf (CHF 150.–). Beide Angebote können online gebucht werden. 

Gemeinsam setzen wir den Fokus auf dein inneres Wachstum, damit du selbstbestimmt, lebendig und mit Freude deine Wahrheit leben kannst. Lass uns gemeinsam auf diese Reise gehen – für ein erfülltes, authentisches Leben im Einklang mit deinem wahren Selbst.

Ausblick und Schlusswort von Beyond, Tina Turner

Ein wunderbarer Song von ‚Beyond‘ mit Tina Turner fasst die Begegnung mit der inneren Mutter sehr schön zusammen.

Eine Botschaft der inneren Mutter von Tina Turner und Beyond

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28. Januar 2023

Martin Bertsch zeigt in diesem Artikel, welche Probleme im Bereich des spirituellen Wachstums in der Beziehung von Lehrer und Schüler auftreten können und wie spirituelles Wachstum in der Neuzeit aussehen sollte.

Das östliche Modell der Schülerschaft in früheren Zeiten

Währenddem historisch gesehen im Westen lange Zeit die Kirche über gut und falsch richtete und mystische Strömungen ausserhalb der christlichen Dogmen kaum eine Chance hatten, pflegte der liberal offene Hinduismus im Osten einen anderen Umgang mit dem Thema spirituelle Entwicklung und Mystik. Hier stand nicht das religiöse Lehrgebäude im Fokus, sondern die Beziehung vom spirituellen Lehrer und seinem Schüler.

Die Beziehung von Guru und Schülerin oder Schüler war etwas Heiliges. Yoga Wiki dazu: „Die Liebe zwischen Schüler (Chela) und Lehrer (Guru) ist ein wichtiger Transmissions-Kanal, durch den die Weisheit fliesst“ (>siehe hier). Die Beziehung Meister-Schüler war geprägt von gegenseitigem Respekt und Liebe füreinander. Die unterschiedlichen Yoga-Praktiken und Traditionen gediehen und diversifizierten sich im Laufe der Geschichte aus dieser engen Beziehung.

Spirituelle Schülerschaft in neuerer Zeit

Im Westen blieb die religiöse Lehre die Grundlage eines spirituellen Weges. Mit dem Zerfall der Wissenshoheit und Dogmenkultur der christlichen Kirche traten unterschiedliche Lehren auf mit einem okkulten Charakter, der letztlich auch in esoterische Bewegungen mündete. Die Grundproblematik hier ist die Abhängigkeit der Schüler von einer Lehre, die selber nicht zugänglich erscheint.

Im Osten hingegen wirkte sich die Neuzeit mit ihren medial bahnbrechenden Kommunikationsmitteln dahingehend aus, dass eine Zentralisierung und Anonymisierung Einzug hielt. Nicht länger die lokalen Heiligen und Gelehrten standen im Brennpunkt des Schülers, sondern die Meister, die medial die höchste Präsenz erreichten.

Diese Welle erfasst auch nicht wenige westliche Suchende und führte zu Massen-Verehrungs-Kulten von wahren Meistern, aber auch selbsternannten Erleuchteten. Die ehrwürdige Bezeichung ‚Guru‘ entwickelte sich in diesem Kontext immer mehr, zum Teil auch gerechtfertigterweise, zu einem Schimpfwort.

Probleme spiritueller Entmächtigung durch selbsternannte Meister

Die Entwicklungen in der neueren Zeit führten sowohl im Osten wie auch im Westen zu mehr Abhängigkeiten, zu einer zunehmenden Entmächtigung der Suchenden. Der Druck auf die moralische Integrität eines Lehrers stieg dadurch mächtig und, wir wissen es, nicht alle hielten diesem Druck stand. Die Notwendigkeit, als Suchende oder Suchender Vernunftkriterien anzusetzen an spirituelle Führer ist in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen. Auch Yoga-Wiki veröffentlicht dazu wichtige Prüfkriterien (>siehe hier).

Es scheint so, dass mit dem spirituellen Wachstum die Gratwanderung auf dem schmalen Pfad des Gesunden immer schwieriger wird und die Herausforderungen des Egos immer grösser werden. Letztlich ist die menschliche Reife zentral. So betonte etwa Rudolf Steiner mit seinen Nebenübungen eine Ich-Stärkung.

Menschliche Reifung und die vier Geburten

Der deutsch Psychiater Michael Depner hat mit seinen vier Geburten die menschliche Reifung schlüssig beschrieben.

  1. Körperliche Geburt: Die körperliche Geburt ist dann vollzogen, wenn der Mensch für seine physischen Bedürfnisse selber sorgen kann.
  2. Psychologische Geburt: Das Entwickeln eines Selbstbildes, das zwischen Ich und Nicht-Ich unterscheiden kann. Das bedeutet einen Standpunkt einzunehmen, ihn als relativ zu erkennen und sich in andere mit unterschiedlichen Sichtweisen hineinversetzen zu können.
  3. Die soziale Geburt: „Die soziale Geburt ist vollzogen, wenn man andere nicht mehr als Werkzeuge zur Erfüllung eigener Bedürfnisse sieht. Dazu gehört, dass man die Verantwortung für das eigene Erleben vollständig übernimmt.“ (M. Deppner)
  4. Spirituelle Geburt: In der spirituellen Geburt löst sich die Identifikation unseres Ichs mit dem Ego (dem Teil, der als Anwalt unserer Bedürfnisse wirkt) auf.

Nach Depner vollziehen sich die Geburten als vierstufiger Prozess, wobei die Phasen aufeinander aufbauen. Es wird dabei deutlich, dass vom Suchenden zunächst im seelischen Bereich Reifungsprozesse anstehen, bevor eine Selbstverwirklichung stattfinden sollte.

Fazit und mein Angebot für dich

Der Integrale Philosoph Ken Wilber fasste die Herausforderungen der Persönlichkeitsentfaltung treffend zusammen in die Aspekte:

  • Clean up (Aufräumen)
  • Wake up (Aufwachen)
  • Grow up (Aufwachsen)
  • Show up (In Erscheinung treten)

Neben meditativen bewusstseinserweiternden Übungen kommt aus meiner Sicht in unserer Kultur dem Aufräumen eine sehr wichtige Bedeutung zu. Es geht darum, unsere seelischen Verletzungen zu verarbeiten und dabei abgespaltene Energien körperlich und seelisch zu integrieren. Hier ergänzen sich östliche Wege der spirituellen Praxis mit westlichen psychotherapeutischen Verfahren.

Der Weg der Zukunft beinhaltet idealerweise nicht nur spirituelle Lehrer und therapeutische Wegbegleiter, sondern eine transparente Methode, die Selbstreflexion und Entfaltung durch eine gezielte Schattenarbeit ermöglicht.

Wenn dich dieser Weg anspricht, lade ich dich herzlich ein, dich in meinen Lebensmatrix-Ausbildungen, Kursen und Begleitangeboten zu vertiefen. Gemeinsam gestalten wir einen Raum, in dem dein inneres Wachstum gefördert, reflektiert und gestärkt wird. Wenn du fragen hast, stehen wir unverbindlich und kostenlos im Rahmen eines telefonischen Infogespräches zur Verfügung. Wenn du mehr wissen willst, zeigt dir eine Standortbestimmung im Rahmen eines Vorgespräches deine Ressourcen und Potenziale auf (CHF 150.–). Beide Angebote können online gebucht werden. 

Gemeinsam setzen wir den Fokus auf dein inneres Wachstum, damit du selbstbestimmt, lebendig und mit Freude deine Wahrheit leben kannst. Lass uns gemeinsam auf diese Reise gehen – für ein erfülltes, authentisches Leben im Einklang mit deinem wahren Selbst.

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9. Januar 2023

Martin Bertsch zeigt in diesem Artikel, wie wir mit biografischen Belastungen oder Bindungstraumata, einerseits einem fehlenden oder weitgehend abwesenden oder andererseits auch übergriffigen Vater trotzdem unser persönliches Glück mit einem starken inneren Vater finden können. (siehe auch Artikel zur inneren Mutter)

Frühkindliche Bedürfnisse und biografische Störungen

Schon Sigmund Freud wusste in den Anfängen der Psychologie, wie wichtig frühkindliche Prägungen für eine gesunde menschliche Entwicklung sind. Nicht allen von uns aber wurde das Glück zuteil, dass wir einen starken, präsenten und schützenden Vater erleben durften. 

Abwesende, nicht am Familiengeschehen involvierte Väter sind in unserer Gesellschaft gang und gäbe. Die Industrie und wachstums-wahn-besessene Wirtschaft entzog sie zunächst aus den Familien in die Fabriken, dann in den Krieg und schliesslich ins Büro. Viel zu oft war in unseren bürgerlichen Kleinfamilien die Mutter alleinzuständig für die Belange der Kinder. 

Der Umstand, dass es uns allen gleich erging, bedeutet nicht, dass diese Normalität auch gesund ist. Vielmehr kann vermutet werden, dass viele gesellschaftliche Herausforderungen ihre Wurzel in dieser Problematik haben. So habe ich an derer Stelle bereits hingewiesen auf Schwierigkeiten der Selbstermächtigung und Selbstdisziplin, die Grundlage einer Demokratie-Zerfalls sein können (>siehe hier). 

Aus dem Gefängnis unserer Biografie ausbrechen

Es erscheint mir wichtig, diese gesellschaftlichen Schatten in den Blick zu bekommen. Genauso wichtig ist es aber, diesbezüglich nicht in eine Opferrolle zu verfallen. Wir sind nämlich weit mehr als ein unveränderliches Produkt der eigenen Biografie. «Es ist nie zu spät eine glückliche Kindheit gehabt zu haben», meinte einst der selbst gesundheitlich gebeutelte us-amerikanischer Meister der Hypnose Milton H. Erickson. Er hatte erkannt, dass unsere Biografie eine Konstruktion unseres Geistes ist. 

Die moderne Neurobiologie hat zudem vestanden: Unser Gehirn bleibt bis zum letzten Atemzug veränderbar. Man spricht hier von Neuroplastizität. Wie können wir aber verpasste elterliche Zuwendung nacholen?

Verantwortung übernehmen, nachnähren und Neu-Beelterung (Reparenting)

So früh, wie die Psychologie die Wichtigkeit frühkindlicher Bindungen für die gesunde Entwicklung erkannte, beschäftigte sie sich auch mit der Frage, wie Menschen mit Bindungsstörungen oder Bindungstraumata unterstützt werden können. Ein Schüler Freuds, der ungarische Psychoanalytiker Sandor Ferenczi, brachte die Methode der Nachnährung auf. Demnach sollten Menschen, die zum Beispiel zu wenig schützende Zuwendung durch einen Vater erfahren haben, durch den Therapeuten oder die Therapeutin in dieser Hinsicht nachgenährt werden.

Später wurde in dieser Hinsicht der Begriff der Neu-Beelterung (Reparenting) eingeführt. Wenngleich zu Lebzeiten Freuds Ferenczi keine Anerkennung fand, gilt heute dieser Ansatz als zentrales Element in der Trauma-Therapie oder etwa der Schema-Therapie. Es geht darum, stärkende Impulse von inneren Eltern zu bekommen. 

Wenn ein Mensch zum Beispiel Sicherheitsbedürfnisse hat, ist ein wesentlicher Hindernis-Faktor für das gesunde Integrieren dieser Bedürfnisse eine unreife Abhängigkeit von seinem biografischen Vater. Ziel verschiedener Mann- oder Frau-Werdungs-Rituale in älteren Kulturen ist eine Wegmarke zu setzen, dass der Mensch nun eigenständig und erwachsen ist. Ein erwachsener, reifer Mann oder eine erwachsene, reife Frau haben sich aus der Bedürftigkeit des Kindseins den Eltern gegenüber befreit. 

Fazit und mein Angebot für dich

Ein erwachsener Mensch kann demnach sich selber Schutz- und Zuwendungsbedürfnisse zukommen lassen und hat sich aus der biografischen Verstrickung mit seinen Eltern herausgewunden. Das dieses Reifestadium unbewusst von den meisten Menschen nicht erreicht wird, führt im Leben der Betroffenen zu viel Leid und Verzweiflung. 

Eine Lösung besteht darin, sich selber Vater oder Mutter zu sein. Das heisst, einen inneren Vater oder innere Mutter anzuerkennen als Rücken-stärkende Instanzen. Viel zu oft wird heute vom inneren Kind, viel zu wenig vom inneren Vater gesprochen. Moderne hypnosystemische Ansätze wie das Integrale Tiefencoaching ITC bieten hier faszinierende Perspektiven der Selbstheilung, die wesentlich weitergehen als herkömmliche psychoanalytische Verfahren. 

Es geht beim ITC darum, sich mit seinen biografischen Eltern zu versöhnen und starke, nährende innere Eltern zu etablieren. Dies geschieht durch einen inneren Dialog und imaginative Familien- und Struktur-Aufstellungen im Zusammenhang mit Körper-Achtsamkeit.

Wenn dich dieser Weg anspricht, lade ich dich herzlich ein, dich in meinen Lebensmatrix-Ausbildungen, Kursen und Begleitangeboten zu vertiefen. Gemeinsam gestalten wir einen Raum, in dem dein inneres Wachstum gefördert, reflektiert und gestärkt wird. Wenn du fragen hast, stehen wir unverbindlich und kostenlos im Rahmen eines telefonischen Infogespräches zur Verfügung. Wenn du mehr wissen willst, zeigt dir eine Standortbestimmung im Rahmen eines Vorgespräches deine Ressourcen und Potenziale auf (CHF 150.–). Beide Angebote können online gebucht werden. 

Gemeinsam setzen wir den Fokus auf dein inneres Wachstum, damit du selbstbestimmt, lebendig und mit Freude deine Wahrheit leben kannst. Lass uns gemeinsam auf diese Reise gehen – für ein erfülltes, authentisches Leben im Einklang mit deinem wahren Selbst.

Einen Einblick in das Gefühl für starke (innere) Eltern, die einem den Rücken stärken, ist etwa das Lied von Reinhard Mey und Freunde: ‚Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht‘.

‚Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht‘ von Reinhard Mey als Beispiel einer Eltern-Kraft. Glücklich, wer solche Kraft erleben durfte.

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6. Januar 2023

Martin Bertsch geht in diesem Artikel der Frage nach, ob die Menschen immer sensitiver werden und welche Zusammenhänge von Bewusstseins-Wachstum und Sensitivität bestehen.

Wie viele sind eigentlich hochsensibel, respektive hochsensitiv?

Die US-amerikanische Psychologin Elaine Aron schätze zu Beginn ihrer Arbeit zum Thema Hochsensitivität Ende der 1990-er Jahre, dass rund 15 – 20% der Menschen hochsensibel sind. Rund zwanzig Jahre später spricht der führende Hochsensibilitäts-Forscher Prof. Michael Plüss von ca. 30%. Als ein Kollege erwähnte, dass wohl die Menschen insgesamt immer sensibler werden, war ich zunächst kritisch. Erst als ich vertiefter über die Zusammenhänge von Bewusstseinsentwicklung und Sensitivität nachdachte, erkannte ich Zusammenhänge. Es erschien mir immer plausibler, dass hier ein Zusammenhang bestehen muss. 

Es liegt auf der Hand, dass unsere Vorfahren vor 15’000 Jahren bezüglich Bewusstsein (etwa Selbstreflexivität, Empathie und assoziatives Denken) nicht denselben Entwicklungsstand hatten wie wir heute. 

Bewusstseinsentwicklung als Prozess zu mehr Sensibiltität

Der Bewusstseinsforscher Jean Gebser erkannte in seinen kulturwissenschaftlichen Studien, dass das Bewusstsein unserer Vorfahren markante Unterschiede zu unserem heutigen aufwies. Nach ihm entfaltete sich das Bewusstsein sprunghaft in Stufen: vom archaischen, unbewussten Zustand bis hin zum gegenwärtig dominierenden rationalen und zukünftigen integralen Bewusstsein.

Später entwarf der Psychologie Professor Clare W. Graves, ein Weggefährte von Abraham Maslow, ein noch facettenreicheres Bild von verschiedenen Bewusstseinszuständen. Diese Theorie erlangte durch Don Beck und Cris Cowan unter dem Begriff Spiral Dynamics breite Anerkennung. 

Zusammenfassend kann der Prozess der Bewusstseinsentwicklung als ein Weg von einem personalen, egozentrischen Sein mit dem Fokus auf dem instinkthaften Überlebenswillen hin zu einem transpersonalen, weltzentrischen Sein mit einer Aktivierung von transzendent-spirituellen Bewusstseinspotenzialen beschrieben werden.

Der Neandertaler und frühe Urmensch musste im alltäglichen Überlebenskampf ein dickes Fell haben. Im Kontext von allgegenwärtigen Umweltgefahren war eine enorme Robustheit gefragt. Heute kann sich im Schutz der modernen Zivilisation und Kultur ein Bewusstsein entwickeln, das in vielerlei Hinsicht komplexer und feinfühliger ist. 

Viele Hochsensitiven zugeschriebene Fähigkeiten wie subtile Sinneswahrnehmungen, Sinn für Ästhetik, feinmotorisches Geschick, gute Intuition, reichhaltiges Innenleben, hohe Selbstreflexivität, assoziatives vernetztes Denken, hohe emotionale Intelligenz und Einfühlungsvermögen (hohe Aktivität der Spiegelneuronen), Gewissenhaftigkeit und ethische Grundhaltung, Harmoniebedürfnis etc. passen auffällig zu höheren Bewusstseinsstufen und dem, was Jean Gebser und Ken Wilber als aufkeimendes integrales Bewusstsein charaktierisiert haben. Bereits 2017 habe ich deshalb im Rahmen einer Hochsensibilitäts-Tagung darauf hingewiesen, dass Sensitivität eine Zugangskompetenz für integrales Bewusstsein ist. 

Eine gesunde Entwicklung von Bewusstsein und Sensitivität

Diese Hypothese darf uns aber keineswegs zum Irrglauben führen, dass Hochsensible besser seien als andere. Der bemerkenswerte Untertitel der anonymen Buchautorin Valencia B. «Alle Narzissten sind hochsensibel, aber nicht alle Hochsensiblen sind Narzissten» bringt diese Gefahr und spezifische Herausforderung auf den Punkt. Für hochsensitive Menschen geht es darum, uneigennützig Mitgefühl und die Herzens-Ebene zu entwickeln. Aus einer demütig spirituellen Hingabe kann sich der Hochsensitive damit für die Menschheitsentwicklung nützlich zu machen. Gerade in der heutigen Zeit, wo oft das Gefühl entsteht, dass der Mensch bewusstseinsmässig in einer Rückwärts-Bewegung gefangen ist (> siehe hier) ist diese Entwicklung bitter notwendig.

Fazit und mein Angebot für dich

Meiner Meinung nach geht es heute nicht hauptsächlich um politische Protest-Aktionen und eine Rebellion gegen eine ökologische Verrohung. Vielmehr geht es darum, einen Wandel in unserem Inneren zuzulassen. Es geht darum, unsere eigenen Schatten zu integrieren und damit die Grundlage für eine gesunde und nachhaltige Bewusstseinsentwicklung zu legen.

Wenn dich dieser Weg anspricht, lade ich dich herzlich ein, dich in meinen Lebensmatrix-Ausbildungen, Kursen und Begleitangeboten zu vertiefen. Gemeinsam gestalten wir einen Raum, in dem dein inneres Wachstum gefördert, reflektiert und gestärkt wird. Wenn du fragen hast, stehen wir unverbindlich und kostenlos im Rahmen eines telefonischen Infogespräches zur Verfügung. Wenn Du mehr wissen willst, zeigt dir eine Standortbestimmung im Rahmen eines Vorgespräches deine Ressourcen und Potenziale auf (CHF 150.–). Beide Angebote können online gebucht werden. 

Gemeinsam setzen wir den Fokus auf dein inneres Wachstum, damit du selbstbestimmt, lebendig und mit Freude deine Wahrheit leben kannst. Lass uns gemeinsam auf diese Reise gehen – für ein erfülltes, authentisches Leben im Einklang mit deinem wahren Selbst.

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