7. Juli 2025

„Die psychologische Regel besagt, dass, wenn eine innere Situation nicht bewusst gemacht wird, sie sich im Aussen als Schicksal ereignet. C.G. Jung

“Man wird nicht dadurch erleuchtet, daß man sich Lichtgestalten vorstellt, sondern durch Bewusstmachung der Dunkelheit.” C. G. Jung

In der Welt der Persönlichkeitsentwicklung gewinnt das Konzept des ‚Schatten‘ immer mehr an Bedeutung. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? Und warum ist Schattenarbeit ein so wertvoller Weg zu mehr Selbstakzeptanz, innerer Freiheit und ganzheitlichem Wachstum? In diesem Blogartikel erfährst du alles Wichtige über die psychologische Schattenarbeit, ihre Bedeutung und wie du sie in deinem Leben umsetzen kannst.


Psychologische Schatten: Eine Spurensuche

Der Begriff ‚Schatten‘ stammt ursprünglich aus der Analytischen Psychologie des Schweizer Psychiaters Carl Gustav Jung. Er beschreibt jene Aspekte unserer Persönlichkeit, die wir meist unbewusst ablehnen, verdrängen oder verstecken. Diese Schattenanteile können negative Gefühle, unerwünschte Eigenschaften, vergangene Verletzungen oder unbewusste Überzeugungen sein.

Jung sagte, dass jeder Mensch einen Schatten hat – also einen verborgenen Teil seiner Psyche, der meistens im Unbewussten liegt. Solange wir unsere Schattenanteile ignorieren oder verleugnen, beeinflussen sie unser Verhalten, unsere Entscheidungen und unsere Beziehungen auf unbewusste Weise. Wir erleben unsere unerlösten Schatten in der Projekten ins Aussen als Schicksal (Karma). Schattenarbeit zielt darauf ab, diese verborgenen Anteile zu erkennen, zu akzeptieren und in unser bewussten Selbstbild zu integrieren.

Der Schatten: der unsichtbare Teil unserer Seele

Der Schatten ist jener Teil unserer Seele, den wir nicht sehen können. Dazu ein Beispiel: Barbara ist eine sehr lebenslustige Frau. Ihr Charakter ist extravertiert, das heisst nach aussen gekehrt und lebhaft, fröhlich, unternehmungslustig und aktiv. Sie kann das Leben in vollen Zügen geniessen, kann sich aber, wenn es sein muss, auch durchsetzen und auch mal auf den Tisch klopfen.

Barbara ist aber auch hitzig, unkontrolliert und chaotisch. Manchmal hat sie das Gefühl, vom Leben hin und her geworfen zu sein und keinen klaren Fokus zu haben. Nach wilden Jugendjahren, die sie nicht missen möchte, regt sich bei ihr mit zunehmendem Alter der Wunsch nach mehr Ruhe, Erholung und Ausrichtung: ein Weg von der Extraversion hin zur Introversion, dem bislang ungelebten Schatten.

Es ist nicht selten, dass wir uns in unserer Biografie mehr und mehr den Schattenseiten zuwenden und beginnen, unbelebte Seiten zu integrieren und damit ein Stück mehr Ganzheit zu erleben.

Schattenarbeit: Seine Potenziale gezielt nutzen

Dieser Prozess der Ganzwerdung, der sich oft spontan im Leben ergibt, kann auch gezielt gefördert werden. Dies bringt viele Vorteile mit sich:

1. Selbsterkenntnis und persönliches Wachstum: Durch die Beschäftigung mit den eigenen Schattenanteilen gewinnt man tiefere Einblicke in die eigenen Verhaltensmuster, Ängste und ungelösten Konflikte. Das fördert die Selbstreflexion und das Verständnis für sich selbst.

2. Emotionale Heilung: Das Erkennen und Annehmen verdrängter Gefühle oder ungelöster Konflikte kann zu einer emotionalen Entlastung führen und das innere Gleichgewicht wiederherstellen.

3. Verbesserte zwischenmenschliche Beziehungen: Wenn man sich seiner Schattenseiten bewusst wird, kann man besser mit anderen umgehen, Missverständnisse reduzieren und authentischere Beziehungen aufbauen.

4. Stärkung der Selbstakzeptanz: Die Arbeit an den eigenen Schatten fördert die Akzeptanz der eigenen Unvollkommenheiten und macht einen insgesamt resilienter und selbstbewusster.

5. Reduktion von inneren Konflikten: Das Bewusstmachen und Integrieren verdrängter Anteile kann innere Spannungen abbauen und zu mehr innerer Harmonie führen.

6. Persönliche Freiheit: Indem man sich seinen Schatten stellt, kann man alte Muster durchbrechen, die einen vielleicht unbewusst einschränken, und so mehr Freiheit und Selbstbestimmung im eigenen Leben gewinnen.

Die psychologische Schattenarbeit ist eine wertvolle Methode, um sich selbst besser kennenzulernen, emotionale Blockaden zu lösen und persönliches Wachstum zu fördern.

Schattenarbeit und die Lebensmatrix

Eine Charakteristik der Schattenarbeit ist, dass wir psychische Schatten nicht erkennen können. Barbara denkt, sie sei einfach, wie sie ist. Es fehlen ihr zunächst andere Seins-Optionen. So wie das Rot kein Grün enthält, haben auch extravertierte Menschen keinen Zugang zur Introversion. Damit man Zugang zum eigenen Schattenbereich findet, braucht es eine wissende Drittperson oder ein Modell, das Schatten aufzeigt. Als solches Modell kann man die Lebensmatrix bezeichnen. Es eignet sich wie kein anderes Modell dazu, Entwicklungspotenziale und Schatten aufzuzeigen, da jeder Archetyp in einem Gesamtzusammenhang mit benachbarten ähnlichen Charaktertypen und gegenüberliegenden Schatten dargestellt ist.

Die Darstellungen unten zeigen Charakter-Schatten oder horizontale Schatten. Jeweils die gegenüberliegenden Archetypen stellen ihr Gegenteil, ihren Schatten, dar.

Vertikale Schatten

Neben den horizontalen Charakter-Schatten können wir auch von vertikalen Schatten sprechen. Es handelt sich dabei um regressive Teile, Verletzungen aus unserer Biografie, vor allem aus den frühen Jahren nach der Geburt, die besonders prägend sind. Dazu ein Beispiel von Daniela.

Daniela, eine eher gehemmte Frau, beschäftigt sich im Rahmen der Jahresgruppe Lebensmatrix in der Visions Schmiede schon einige Zeit mit Schattenarbeit und hat ein Gespür dafür bekommen, was ihr fehlt und sie noch integrieren möchte. Auf die Frage hin, was die Vision ihrer selbst ist, malt sie keine stereotypen Wunschbilder, sondern unaufgefordert ihren Schatten, eine Wolfsfrau mit scharfen Krallen, mit denen sie sich zur Wehr setzen kann. Alle um sie herum (erschreckte Figuren) fürchten sich vor ihr.

Dieses Monster stammt wie alle triebhaften und dämonischen Wesen aus dem Bereich der primären Entwicklungsphase des Menschen und stellt aus tiefenpsychologischer Sicht unbefriedigte Bedürfnisse im Kleinkindesalter dar. Die Grundlage einer gesunden Entwicklung ist ja eine gesunde emotionale und körperliche Bindung zu primären Bezugspersonen im Kleinkindesalter. Bei Bindungs- und Entwicklungstraumata entwickelt sich das Gefühl eines Opfer-Daseins und als Kompensation daraus Aggression und Gewalt.

Was heisst das für Daniela? Sie ist aufgefordert, den Schmerz der fehlenden Bindung anzunehmen und sich selber die notwendige Zuwendung im Sinne einer Nachbeelterung zukommen zu lassen (Arbeit mit dem inneren Kind). So können Trauma-Erfahrungen und regressive vertikale Schatten transformiert und integrirert werden.

Fazit und mein Angebot für dich

Schatten können nur durch ein geeignetes Modell sichtbar gemacht werden. Die Lebensmatrix bietet hierfür eine ideale Arbeitsgrundlage und beleuchtet das Thema differenziert. Wir können zwischen horizontalen und vertikalen Schatten unterscheiden. Die Integration der Schatten, die Heilung von seelischen Verletzungen, ist eine wichtige Säule für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung.

Wenn dich dieser Weg anspricht, lade ich dich herzlich ein, dich in meinen Lebensmatrix-Ausbildungen, Kursen und Begleitangeboten zu vertiefen. Gemeinsam gestalten wir einen Raum, in dem dein inneres Wachstum gefördert, reflektiert und gestärkt wird. Wenn du fragen hast, stehen wir unverbindlich und kostenlos im Rahmen eines telefonischen Infogespräches zur Verfügung. Wenn du mehr wissen willst, zeigt dir eine Standortbestimmung im Rahmen eines Vorgespräches deine Ressourcen und Potenziale auf (CHF 150.–). Beide Angebote können online gebucht werden. 

Gemeinsam setzen wir den Fokus auf dein inneres Wachstum, damit du selbstbestimmt, lebendig und mit Freude deine Wahrheit leben kannst. Lass uns gemeinsam auf diese Reise gehen – für ein erfülltes, authentisches Leben im Einklang mit deinem wahren Selbst.

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3. Juli 2025

«Man wird nicht erleuchtet, indem man sich Lichtgestalten vorstellt, sondern indem man die Dunkelheit bewusst macht.» C.G. Jung

In einer Welt, die ständig im Wandel ist, suchen viele Menschen nach einem festen Anker, einem tieferen Verständnis ihrer selbst. In der Hinwendung zu sich selbst stellen sich aber ganz eigene und neue Herausforderungen und Fragen: Wer bin ich eigentlich? Wie kann ich zielführend mit mir selber umgehen und mich entfalten? In Bezug auf diese Fragen ist Menschenkenntnis die Grundlage der Selbsterkenntnis und eines gelingenden Selbstmanagements. Dieser Blogartikel beleuchtet die Verbindung zwischen Menschenkenntnis und Selbsterkenntnis als Grundlage von persönlichem Wachstum, besserer Selbstregulation und Selbstverwirklichung.

Warum Menschenkenntnis?

Menschenkenntnis ist im Leben äusserst hilfreich, weil sie uns ermöglicht, andere Menschen besser zu verstehen, Missverständnisse zu vermeiden und zwischenmenschliche Beziehungen besser zu gestalten. Sie hilft uns, die Beweggründe, Gefühle und Verhaltensweisen unserer Mitmenschen zu erkennen und darauf adäquat zu reagieren. Menschenkenntnis basiert auf Interpretationen von Verhaltensweisen und Merkmalen von Menschen. Diese Interpretationen beziehen sich unbewusst auf grobe Unterscheidungen: Dieser Mensch ist nett, jener mühsam etc. Diese Bilder sind unreflektiert und schablonenhaft. Wenn wir unsere Menschenkenntnis erweitern wollen, um ein differenzierteres Bild des Gegenübers zu bekommen, werden wir um Charaktertypenmodelle kaum herumkommen.

Die Entwicklung von Charaktertypenmodellen

Schon seit jeher macht sich der Mensch Gedanken über Charakteren und Temperamente. Die Modelle dazu wurden im Verlaufe der Geschichte komplexer und bieten mehr Möglichkeiten. Die Entwicklung von Charaktertypenmodellen kann man in vier Phasen beschreiben:

  1. erste grobe Modelle: Diese Modelle sind relativ schubladenhaft und grob. Beispiele: die griechische Temperamenten-Lehre, Ayurveda-Typen.
  2. mythische Modelle mit prärationalen Ordnungsstrukturen: Sie sind relativ unscharf in der Typenbezeichnung und der Fächer der Typen ist zum Teil inkonsistenz. Beispiele: Enneagramm, astrologische Typen.
  3. psychologische Typen-Modelle (rational): Hier hat C.G. Jung wichtige Vorarbeit geleistet mit seinem Seelen- und Archetypen-Modell. Charakteristisch sind Tests, die von einem Experten interpretiert werden.
  4. integrale Typenmodelle: Sie halten rationalen Kriterien stand, sind hochkomplex und mehrdimensional, bieten aber dennoch eine sinnhaft-logisch nachvollziehbare Grundstruktur. In diesem Feld kann die Lebensmatrix verortet werden.

Typenmodelle wie das Enneagramm gewinnen gerade für den Weg der Selbsterkenntnis in der aktuell oft wirren Zeit an Bedeutung. Die Lebensmatrix versteht sich als Teil dieser Tradition und bietet noch mehr Möglichkeiten auf dem Weg der Selbstverwirklichung gerade durch das vertiefte Verständnis von Grundgesetzen wie der Polarität und dem direkten Bezug zur psychologischen Schattenarbeit.

Die Lebensmatrix als modernes, tiefgründiges Typenmodell

Aus unserer Sicht erfüllt die Lebensmatrix alle Anforderungen eines modernen Typenmodelles und bietet sich auch für die Psychologie als zeitgemässes Modell der Persönlichkeitsentwicklung an. Die Lebensmatrix fügt zusammen, was in der Wissenschaft mit dem Modell der Big Five der Persönlichkeitspsychologie segmentiert wurde. Die Vorteile der Lebensmatrix liegen in folgenden Punkten:

  • konsistenter, logischer Aufbau
  • maximale Durchlässigkeit (Fliessmodell)
  • Illustriert die logische Interdependenz der einzelnen Positionen
  • nutzt eine stringente farbpsychologische Darstellung
  • Die Farbkugel ist ein perfekt differenziertes Hologramm
  • einzigartige Kombination von horizontalen Typen mit vertikalen Entwicklungstypen
  • einfach nachvollziehbare gendergerechte Typen-Illustrationen
  • vielseitige direkte praktische Umsetzung in eine therapeutische Arbeit
  • ideale Grundlage für eine integrale psychologische Schattenarbeit durch Sichtbarmachung von ungelebten Anteilen
  • Einfache direkte Umsetzung in die psychologische Teilearbeit

Von der Menschenkenntnis zur Selbsterkenntnis

Wenn der Mensch innerlich reift, sieht er sich immer mehr aus einer Distanz. Robert Kegan nennt dieses Merkmal einer inneren Reife Selbstobjektivierung. Parallel zur Selbstobjektivierung tritt der innere Beobachter, das höhere Selbst immer mehr ins Bewusstsein. Gerade Charakter-Typenmodelle schärfen den Blick für die innere, manchmal chaotische Diversität der seelischen Kräfte und helfen bei einer gezielten Regulation. Ich bin dann nicht mehr zornig, sondern ich spüre eine zornige Seite in mir. Die reife, sich selbst regulierende Seele würde dann fragen: Was braucht dieser Zorn von mir?

Die Selbstregulation setzt innere Klarheit voraus, um präzise fühlen zu können, was sich im inneren abspielt. Beide Prozesse, die innere klare Wahrnehmung und die Selbstregulation profitieren von einer differenzierten Menschenkenntnis. Dies gilt umso mehr noch für die Ebene, die sich hinter den beschriebenen inneren Kräftespielen verbirgt: den inneren Schatten, den ungelebten Seiten (dem niederen oder unbewussten Selbst). Diese Teile erkennt man nur, wenn man sich selber an Modellen abgleichen kann mit der Frage: Welche Seite lebe ich nicht? Wo sind meine blinden Flecken?

Fazit und mein Angebot für dich

In der Integralen Theorie ist die Erkenntnis gereift, dass Meditation nicht alleine zur Selbstverwirklichung führt. Gerade für Menschen mit tiefen inneren Verletzungen und starken unbewussten Mustern kann dieser Weg der Bewusstseinserweiterung durch Meditation und östliche Praktiken sogar gefährlich sein und Schattenanteile und unbewusste Muster verstärken. Hier gilt es ergänzend, die westliche spirituelle Praxis der psychologischen Klärung im Sinne einer Schattenarbeit anzuwenden. Die Schatten werden aber nur erkennbar, wenn ein von Verletzungen geläuterter spriritueller Lehrer einem den Weg weist oder man sich in einem Charaktertypenmodell selber spiegelt.

Wenn dich dieser Weg anspricht, lade ich dich herzlich ein, dich in meinen Lebensmatrix-Ausbildungen, Kursen und Begleitangeboten zu vertiefen. Gemeinsam gestalten wir einen Raum, in dem dein inneres Wachstum gefördert, reflektiert und gestärkt wird. Wenn du fragen hast, stehen wir unverbindlich und kostenlos im Rahmen eines telefonischen Infogespräches zur Verfügung. Wenn du mehr wissen willst, zeigt dir eine Standortbestimmung im Rahmen eines Vorgespräches deine Ressourcen und Potenziale auf (CHF 150.–). Beide Angebote können online gebucht werden. 

Gemeinsam setzen wir den Fokus auf dein inneres Wachstum, damit du selbstbestimmt, lebendig und mit Freude deine Wahrheit leben kannst. Lass uns gemeinsam auf diese Reise gehen – für ein erfülltes, authentisches Leben im Einklang mit deinem wahren Selbst.

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17. Dezember 2024

„Was ich fordere, ist eine Gesellschaft von Bürgern, die zugeben, dass sie bedürftig und verletzlich sind.“ Martha C. Nussbaum

Nachbeelterung oder Neubeelterung (Reparenting) sind das Tor zur Heilung von Bindungstraumata (Entwicklungstraumata) und dem verletzten inneren Kind (siehe auch Blogartikel zum Thema ‚innerer Vater‘). Verletzungen des inneren Kindes sind eine wesentliche Ursache von psychischen und stressbedingten psychosomatischen und chronischen Erkrankungen (Gabor Maté).

Die Wucht der Verletzung in der symbiotischen Phase des Kindseins

Es ist eine allgemein unbestrittene Erkenntnis in der Psychologie, dass gerade frühe Traumata oder Verletzungen tiefere Spuren in der Seele hinterlassen. Dies kann man relativ einfach erklären: Ein gefestigtes Ich kann auch Schutzmechanismen aktivieren und sich gegen unliebsame Einflüsse zur Wehr setzen. Das Baby oder Kleinkind hingegen ist symbiotisch verbunden mit der Mitwelt und befürsorgenden Erwachsenen. Es ist auf Gedeih und Verderb angewiesen und abhängig. Misslichen Einflüssen ist es demnach schutzlos ausgeliefert. An folgendem Beispiel können wir das leicht erklären:

Nehmen wir an, ein Vater ist im Auto mit seinem kleinen Schützling unterwegs. Sein Auto gerät ins schlingern und er fährt auf einen Baum zu. Unwillkürlich erkennt der Erwachsene die herannahende Gefahr und ergreift Schutzmassnahmen, zum Beispiel durch eine erhöhte Muskelspannung. Das Baby ist der Gefahr hingegen nicht bewusst und schutzlos ausgeliefert. Dadurch wird es ungleich härter getroffen. Ebenso verhält es sich auch mit subtileren psychisch oder sozial schädlichen Einflüssen.

Verletzungen im Kindesalter bleiben oft in uns haften und beeinflussen unser Denken und Verhalten.

Wie wir damit umgehen, nicht das Ereignis an sich ist entscheidend

Frühkindliche Verletzung können leicht eine Ohnmachtsposition verstärken. Wir fühlen uns dann als Opfer unserer eigenen biografischen Erlebnisse. Ein Gegenentwurf dieser Opferhaltung ist der befreiende Aphorismus, der unter anderem Milton H. Erikson zugeschrieben wird: „Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit“. Darauf spielt auch Gabor Maté an, wenn er erklärt, dass bei Traumata nicht das Ereignis selber entscheidend ist, sondern unsere Reaktion darauf.

Unsere eigene Biografie ist bei genauer Betrachtung eine Konstruktion. Wir kennen es: Wir erzählen eine Begebenheit aus der Kindheit unseren Geschwistern und sind erstaunt, dass sie die Szene ganz anders erlebt haben. Oder noch krasser: Wir erinnern uns an eine Begebenheit, die eine Wirkung hinterlassen hat. Zehn Jahre später empfinden wir die Sache ganz anders, weil wir sie vielleicht unter einem anderen Gesichtspunkt betrachten.

Regeln brechen: Meist ein Prozess

Es ist mehr als verständlich, dass wir etwa auf Vernachlässigung so reagieren, dass wir uns selbst vernachlässigen. Das kenne ich selber gut, ich kenne es auch von meinen KlientInnen. Aber, es muss eben nicht so sein! Letztlich haben wir in uns eine unermessliche Macht, auf Dinge unterschiedlich zu reagieren und festgefahrene Reiz-Reaktionsmuster zu durchbrechen. Wie haben die Macht, unser inneres Kind zu heilen.

Aufgrund neurobiologischer Bahnungen im Gehirn ist aber dieses Umlernen kein Selbstläufer. Es braucht zunächst die Erkenntnis über bestehende unbewusste Mechanismen. Es ist eben nicht selbstverständlich (auch wenn es von aussen oft so erscheint), dass wir selber unsere Muster erkennen, zum Beispiel eben die Selbstvernachlässigung.

Ein anderes ist es, mit den Prägungen, die unser Verhalten und Sein zu bestimmen scheinen, zu brechen. Meist ist dies ein Prozess…

Die Heilung des inneren Kindes durch Selbstbeelterung klappt nicht immer

Die Bewusstwerdung der eigenen Prägungen und unbewussten Muster ist der Anfang dieses inneren Weges. Wenn wir unsere verletzen Seiten, unser verletztes inneres Kind aus dem Erwachsenen-Ich heraus begegnen können, geschieht Heilung. Ich kann dann aus einer mütterlichen Haltung heraus das innere Kind umarmen, es trösten, ihm gut zureden. Oder aus einer beschützenden väterlichen Energie heraus kann ich das innere Kind beschützen, ermutigen und Gefahren wegweisen. Dieses Nachnähren von verletzten Teilen kann tiefgreifende und nachhaltige Veränderungen auslösen.

Was aber, wenn ich selber aufgrund der Vernachlässigung zu diesen inneren Teilen, dem inneren Vater oder der inneren Mutter, keinen Zugang habe? Was, wenn ich selber durch die Hilflosigkeit meiner primären Bezugspersonen, meiner Mutter und meinem Vater, selber ihre nicht erfüllte Rolle übernommen habe oder es zumindest versuche (Parentifizierung)? Meist ist es ja eher ein So-Tun, als ob ich die Rolle übernehmen könnte. Letztlich steht dahinter aber eine masslose Überforderung für das Kind.

Vater-Erfahrung: Da hängt noch etwas

Das erinnert mich an eine Klienten-Geschichte, nennen wir den Betreffenden Jörg. Jörg erlebte wiederkehrende Depressionen und Erschöpfungen. Bei der Arbeit im Informatik-Bereich konnte er sich des Öfteren nicht durchsezten, nicht Nein sagen, überforderte sich meist und scheiterte dabei an seinen eigenen Massstäben.

In der Anamnese erzählte Jörg von einer schwierigen Vater-Beziehung . Der Vater sei eine gescheiterte und verrohte Existenz. Seine Unzufriedenheit und sein Nörgeln prägten Jörg, der immer mehr an Selbstwert verlor.

In einer Therapie habe es in Form von einem virtuellen Brief eine Art Versöhnung gegeben, da sei er durch. Als ich den Brief las, konnte ich den guten Willen, den inneren Konflikt zu lösen und seinem Vater zu vergeben, spüren. Sein Schlusssatz: „Ich verzeihe dir, was du mir angetan hast. Ich erwarte nichts mehr. Ich wünsche dir, dass du deinen Frieden findest.“

Beim Lesen bekam ich ein mulmiges Gefühl und den Eindruck, dass dies eher Wunschdenken ist, eine Kopfgeburt, wie sie in Therapien, die nicht wirklich an die Wurzel gehen, leider oft der Fall ist. Ich sprach meine Bedenken an. Zu meinem Erstaunen stimmte mir Jörg unmittelbar zu: „Du hast recht, da hängt noch etwas“

Die Emotionen hinken dem Kopf oft hinterher

Jörg erzählte mir von seinen subjektiv paradiesischen ersten Jahren. Dann kam der Bruch: Die Geburt seines schwer behinderten Bruders, der alle Aufmerksamkeit auf sich zog, die Eltern komplett überforderte. Jörg stand auf einmal alleine da. Wir beschlossen diese biografischen Phasen musikalisch nachzustellen, so dass Jörg nochmals spüren konnte, was emotional auf einer tieferen Ebene wirklich läuft. Wir suchten zwei Musikstücke aus, eines für die erste paradiesische Periode, ein zweites für die Phase des Vertrieben-Seins aus dem Paradies.

Beim ersten Musikstück konnte Jörg schwelgen in den sanften Tönen und dem ruhigen Rhythmus. Das zweite Stück war rebellisch, punkig, es schwang Wut mit. Jörg konnte sich erstaunlich gut mitbewegen und in die stark extravertierte Energie eintauchen. Ich wies dann Jörg an, diesen Tanz und diese Energie vor seinem Vater zu zeigen. Da geschah etwas erstaunliches. Wie auf Knopfdruck erstarrte Jörg. Er war wie gefangen in einem inneren Käfig. „Nein, das geht nicht“, meinte er.

Die Geschichte zeigt, wie oft die Emotionen rationalen Erkenntnisprozessen hinterherhinken.

Was wir wirklich brauchen

Ich bin überzeugt, dass Gesprächtherapien das Problem von Jörg nicht lösen können. Es geht um eine Tiefen-Veränderung. Für Jörg heisst es, seine Wut zu zeigen, seine eigene Macht zu erfahren und zu ergreifen. Erst, wenn er das geschafft hat, kann er sich selber bevatern und beeltern, sich nachnähren. Dies ist ein Prozess, bei dem ein Koregulator als Begleiter (Coach) sehr hilfreich sein kann (Koregulation in der Therapie). Nachbeelterung kann auch durch einen Therapeuten oder Coach angeleitet werden, der als gutes Beispiel (am besten bei sich selber!) vorausgeht.

Fazit und mein Angebot für dich

Wenn dich dieser Weg anspricht, lade ich dich herzlich ein, dich in meinen Lebensmatrix-Ausbildungen, Kursen und Begleitangeboten zu vertiefen. Gemeinsam gestalten wir einen Raum, in dem dein inneres Wachstum gefördert, reflektiert und gestärkt wird. Wenn du fragen hast, stehen wir unverbindlich und kostenlos im Rahmen eines telefonischen Infogespräches zur Verfügung. Wenn du mehr wissen willst, zeigt dir eine Standortbestimmung im Rahmen eines Vorgespräches deine Ressourcen und Potenziale auf (CHF 150.–). Beide Angebote können online gebucht werden. 

Gemeinsam setzen wir den Fokus auf dein inneres Wachstum, damit du selbstbestimmt, lebendig und mit Freude deine Wahrheit leben kannst. Lass uns gemeinsam auf diese Reise gehen – für ein erfülltes, authentisches Leben im Einklang mit deinem wahren Selbst.

Literatur:

Gabor Maté und Daniel Maté: Vom Mythos des Normalen, Wie unsere Gesellschaft uns krank macht und traumatsiert – Neue Wege zur Heilung, 2023

Pete Walker: Posttraumatische Belastungsstörung, Vom Überleben zu neuem Leben, Ein praktischer Ratgeber zur Überwindung von Kindheitstrauma, 2019

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4. Oktober 2024

Gerade in den letzten Jahren zeigt sich weltweit zunehmend ein Bild, das nachdenklich stimmen kann: Immer mehr bröckelt die Demokratie und autoritäre Herrscher übernehmen das Szepter. Immer mehr werden Menschenrechte mit Füssen getreten. Immer mehr steigt der Unmut der Bevölkerung gegen wirtschaftliche und soziale Eliten, die dennoch immer mehr besitzen und den Ton immer unmissverständlicher angeben. Es ist überfällig, die zunehmenden Wirren in der Welt zu durchschauen und für sich und unsere Gesellschaft die richtigen Schlüsse zu ziehen. Ein Verständnis über menschliche Entwicklung oder auch Fehlentwicklung ist dazu der zentrale Schlüssel zur Erkenntnis. Fehlende Kenntnis kann aber verheerende Folgen haben auf die aktuellen Entwicklungen.

Stärke durch Vielfalt

Unsere Welt ist vielfältig und komplex. Jeder Mensch ist einzigartig und vielschichtig. Die Einzigartigkeit als Charakter oder Temperaments-Struktur beinhaltet Stärken und Schwächen. Wenn sich verschiedene Menschen zu einer Organisation oder Gruppe zusammenfinden, können die Schwächen ausgeglichen werden: Es entsteht dadurch ein Organismus, der mehr Stabilität und Ganzheit bietet.

Die Vielfalt ist ein dauerhaftes Erlebnis, das uns im Zeiterleben (Frühling-Sommer-Herbst und Winter) oder in den Himmelsrichtungen begegnet (Westen-Süden-Osten-Norden). Bei Menschen führen unter anderem etwa Klimabedingungen zu unterschiedlichen Charakter-Strukturen (Kälte den introvertierten Denker, Wärme den extravertierten Empfinder).

Die einzelnen Fähigkeiten sind weder schlecht noch gut. Nur Einseitigkeiten und Extremismen fallen aus dem Ganzen und wirken anfällig und schwach. Die Verbindung der Einzelteile führt zu Ganzheit, Harmonie und Stärke.

Vielfalt in der politischen Landschaft

Auch unsere politische Landschaft ist geprägt durch Vielfalt. Auch hier gilt das Prinzip: Wenn sich unterschiedliche Positionen verbinden, entsteht Ganzheit und Stärke. Im Demokratie-Prinzip tritt dieser Grundgedanke im Zusammenleben des Menschen in Erscheinung. Auch wenn die Demokratie immer Spannungen enthält und vieles scheinbar nicht rund läuft, ist sie doch in der Entstehungsgeschichte der Zivilisation ein sicherer Wert. Winston Churchill meinte einmal: „Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen.“

Die politische Landschaft kann bildlich wie folgt dargestellt werden.

Ich nenne diese Art von Vielfalt horizontal, weil ihre Teilaspekte gleichwertig sind.

Horizontale und vertikale Vielfalt

Neben der horizontalen Vielfalt besteht auch eine vertikale Vielfalt. Sie ist charakterisiert durch Entwicklung. So gibt es etwa einen unentwickelten Denker und einen entwickelten. Überhaupt ist jegliches Menschsein unter anderem charakterisiert durch Entwicklung und Entwicklungsstufen. Der Säugling entwickelt sich zum Kind, dieses zum Erwachsenen, dieser zum reifen Menschen und schliesslich wird der Mensch wieder bedürftig wie ein Kind.

Entwicklung kann sich auf das Ich beziehen, die Entwicklungspsychologie des einzelnen (Ich-Entwicklung nach Jane Loevinger, Susan Cook-Greuter und Terry O’Fallon) oder auf Bewusstseins-Entwicklung im gesellschaftlichen Bereich (Jean Gebser, Clare W. Graves und Don Beck). Entwicklung kann sich aber auch auf einzelne Linien wie die moralische Entwicklung (präkonventionell-konventionell-postkonventionell, Lawrence Kohlberg) oder die kognitive Entwicklung (prärational-rational-postrational, siehe zudem auch Jean Piaget).

Muster menschlicher Entwicklung: Ich Entwicklung und Bewusstseinsentwicklung

Die Entwicklung vollzieht sich aus den Erkenntnissen der Forschung (vgl. insb. Jane Loevinger und Robert Kegan) nach einem bestimmten Muster, das vereinfacht wie folgt dargestellt werden kann:

Die idealtypische menschliche Entwicklung und Reifung bringt zunehmende Freiheit von Trieben und Begierden und zunehmende Verantwortung und Umsicht mit sich. Es ist eine Entwicklung von der Egozentrik (Selbstbezogenheit) zur Allozentrik (Bezogenheit auf das Umfeld).

Die Entwicklung wird materiell sichtbar in der Biografie des Menschen. Körperlich kann ein Mensch aber altern ohne seelisch zu reifen. So kann ein älterer Mensch auf der Stufe des Egozentrikers stehen, oder Teile der Persönlichkeit können aus dieser Ebene wirken. Deshalb kann es ergänzend Sinn machen, die Entwicklungsstufen als Archetypen darzustellen (mit kursiv jeweils den negativen Archetypen).

Politische Haltung und Bewusstseinsentwicklung

Politische Haltungen können nun nicht nur horizontal sondern auch vertikal im Sinne der Entwicklung (nach oben hin) dargestellt werden. Anders als bei den gleichwertigen horizontalen Haltungen entsprechen die vertikalen Haltungen der Bewusstseinsentwicklung oder menschlichen Reife. Zwar kann auch hier nicht generell von schlechter oder besser gesprochen werden: Ein Kind ist ja nicht schlecht, weil es kindlich ist. Ein Greis ist auch nicht besser als ein Kind, weil er mehr Erfahrung hat und Fähigkeiten entwickelt hat. Genauso wenig ist eine Eichel besser oder schlechter als eine alte Eiche. Es handelt sich um unterschiedliche Entwicklungsstadien mit unterschiedlich stark gelebten Ressourcen oder Potenzialen. Der Wert des Lebens misst sich am Sein und nicht an Fähigkeiten (und im Sein sind wir alle gleich).

Trotzdem macht es Sinn, gesellschaftliche Verantwortung und Führungsaufgaben in die Hände der reifen Menschen zu legen. So wurde es ja auch jahrhundertelang praktiziert, etwa im Rat der Ältesten, der aus der Weisheit der Lebenserfahrung Entscheide fällte. Auch in einer Familie macht es Sinn, dass die Führung bei den Eltern liegt und nicht bei den Kindern (was nicht heisst, dass die elterliche Fürsorge die Wesenhaftigkeit des Kindes in allen Belangen respektieren und fördern sollte).

Ausgehend von den skizzierten Darstellungen über Entwicklungspsychologie des Menschen (über die Kindheit hinaus) können wir eine reife, verantwortungsvolle Haltung des Menschen in Bezug auf Politik wie folgt darstellen:

Im Bild oben sind als Entwicklungsdimension rechts die Begriffe der Bedürfnispyramide nach Abraham Maslow dargestellt (Überleben, Sicherheit etc.)

Die unteren Stufen der politischen Haltungen sind bestimmt durch Egozentrik und Selbstbezogenheit, nationalistisch-autoritär respektive populistisch. Bei der mittleren Stufen der politischen Haltung ist die Demokratie anzutreffen und oben die internationalistisch-integrale Haltung, die letztlich einer Theokratie gleicht.

Deutung der gesellschaftlichen Entwicklungen aus integraler Sicht

Der Populismus ist gekoppelt an eine Klage oder Wut, die letztlich als Triebkraft aus der Egozentrik ersteht. Bei einem Politiker oder einer Politikerin geht es nun neben einer horizontalen Analyse im wesentlichen (und hier liegen die wirklichen Gefahren) um eine Analyse auf der vertikalen Ebene der inneren Reife. Meist handelt es sich bei einer regressiven Egozentrik um persönliche Verletzungen und daraus entstehenden Schmerz (Psychotrauma im weitesten Sinne). Wir sprechen hier vom verletzten inneren Kind, das seinen Schmerz nach aussen projiziert.

Die nachfolgende Tabelle zeigt einige Verhaltensweisen, die auf innere Reife schliessen lassen.

Die obige Matrix soll verdeutlichen, dass wir in der Veränderung der politischen Landschaft aktuell nicht nur einen Rechtsrutsch erleben, sondern einen Rückfall in autokratische (magische) Bewusstseinsstrukturen. Gerade im aktuellen amerikanischen Wahlkampf zeigt sich dieser Klasseunterschied deutlich: Es geht nicht nur um rechts-oder links, Demokraten oder Republikaner, sondern wie Kamala Harris im Chor der Demokraten warnt, um den Erhalt der Demokratie.

Auch wenn Trump nicht auf dem Entwicklungs-Niveau eines Kim Jong-un einzuschätzen ist, kann man doch deutliche Anzeichen einer Egozentrik, Streben nach Autokratie, Klage- und Wut-Populismus und einem präkonventionellen-prärationalen Handeln (wahr ist nicht das, was die Gesellschaft als wahr empfindet sondern was mir nützlich ist) erkennen. Neben nationalen Interessen ist es oft, so zeigt die Geschichte, einfacher, Gleichgesinnte als Partner zu gewinnen (Trump über Kim Jong-un: „Warum sollte ich ihn nicht mögen? vgl. hier)

Gerade auch China macht deutlich, welche Macht aus einer unreifen menschlichen Führung erstehen kann, wenn sie sich durch Globalisierung (Büdnispartner) und Technisierung (staatliche Kontrolle) aufspielt. (Wobei an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben soll, dass jegliche Form von Imperialismus, auch der amerikanische, aus demokratischer Sicht in Frage gestellt werden sollte).

Fazit und mein Angebot für dich

Aggressive Wutbotschaften ziehen verletze Menschen mit einem regressiven traumatisierten inneren Kind an. Der weiche Kern der Traumatisierten sucht kompensatorisch nach einem Ausgleich in scheinbarer Stärke (und leider nicht in der Reife!). Denn, Gleich und Gleich gesellt sich gern. Es ist einfacher, sich in der unreflektierten Wut zu vereinen als in der Reife des erwachsenen Menschen (die Introspektionsfähigkeit und Verantwortungsübernahme voraussetzt).

Warum die Menschheit sich aktuell rückwärts entwickelt ist wohl vielschichtigen Ursachen zuzuschreiben und bleibt letztlich ein Mysterium. Sicher ist einzig, dass die Zunahme von struktureller und physischer Gewalt zu mehr Schmerz führt. Schmerz kann, wenn er richtig verarbeitet wird, zu Bewusstsein führen (lernen durch Krisen). Vielleicht ist deshalb der aktuelle Rückfall auch nur eine Vorbereitung auf einen Quantensprung im Bereich des Bewusstseins (Übertritt ins integrale Bewusstsein).

Sicher ist auch, dass dieser Schritt nur durch die Bewusstseinsentwicklung jedes einzelnen passieren kann, eine Reifung, bei der jeder Mensch seine eigenen Schatten integriert. Frieden ist nur möglich, wenn ich zuerst den Frieden in mir finde.

Wenn dich dieser Weg anspricht, lade ich dich herzlich ein, dich in meinen Lebensmatrix-Ausbildungen, Kursen und Begleitangeboten zu vertiefen. Gemeinsam gestalten wir einen Raum, in dem dein inneres Wachstum gefördert, reflektiert und gestärkt wird. Wenn du fragen hast, stehen wir unverbindlich und kostenlos im Rahmen eines telefonischen Infogespräches zur Verfügung. Wenn du mehr wissen willst, zeigt dir eine Standortbestimmung im Rahmen eines Vorgespräches deine Ressourcen und Potenziale auf (CHF 150.–). Beide Angebote können online gebucht werden. 

Gemeinsam setzen wir den Fokus auf dein inneres Wachstum, damit du selbstbestimmt, lebendig und mit Freude deine Wahrheit leben kannst. Lass uns gemeinsam auf diese Reise gehen – für ein erfülltes, authentisches Leben im Einklang mit deinem wahren Selbst.

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22. August 2024

Wie in einer verakademisierten Leistungs-Welt Menschsein trotzdem gelingen kann.

Unsere Welt ist einseitig. Gefördert wird durch das Bildungssystem vor allem die kognitive Intelligenz. Andere Kompetenzen wie die moralische, ästhetische, emotionale oder praktische Intelligenz bleiben oft auf der Strecke. Die aus meiner Sicht aber wichtigste Kompetenz, nämlich die des Mensch-Seins an sich (was für mich auch die spirituelle Intelligenz ist) findet leider am wenigsten Beachtung. Ein Beitrag zu Erfahrungen, wie Menschsein trotzdem gelingen kann, wenn Zugänge zur eigenen Tiefe geschaffen werden.

Lernen jenseits des logischen Denkens und sprachlicher Intelligenz

Kennst Du das? Meine Lieblingsfächer in der Schule waren Zeichnen und Werken. Ich liebte es kreativ zu sein. Durch meine Geschicklichkeit entstanden etliche Werke, die mich mit Freude erfüllten. Weniger erfreulich war es jedoch, bald zu spüren, dass die Freude auf wenig Anerkennung in meinem Umfeld stiess. Was nämlich offenbar in unserer Gesellschaft wirklich zählte waren die Leistungen in Mathematik und Sprachen. Sie, die sogenannten Haupt-Fächer, sind es, die in der Leistungsgesellschaft wirklich zählen. In meiner Arbeit als Therapeut und Coach mit KlientInnen realisierte ich aber immer mehr, dass es noch einen bedeutend wichtigeren blinden Fleck gibt in unserer Bildungslandschaft.

Was man nämlich in unseren Schulen komischerweise gar nicht lernt, ist der Umgang mit eigenen Emotionen, mit den eigenen Charakter-Stärken und -Schwächen, die Regulation von Nähe und Distanz, des Verbundenseins und die Authentizität, schlicht das Mensch-Sein. Der Mensch kommt ja ohne Gebrauchsanweisung auf die Welt . Meist tappt er dann als blinde Kuh durchs Leben und macht immer wieder die selben Fehler, die aus erlernten Mustern der Kindheit stammen. Wie kann der Ausstieg aus diesem Hamsterrad gelingen?

Zugänge aus der Frosch- und Vogel-Perspektive

Veränderung gelingt, wenn wir uns neue Perspektiven und Handlungsräume schaffen. Beratung und Coaching kann hier hilfreich sein. Coaching besteht im Wesentlichen aus einer Perspektiven-Erweiterung. Man blickt aus einer sicheren Distanz aus der Vogel- oder Frosch-Perspektive auf sich selbst und sein Leben.

Wenn man aus dieser Optik dann hinderliche Muster erkennt, geht es darum, diese zu transformieren. Das ist nicht immer einfach! So meinte ein Klient zu mir einst in der ersten Sitzung: „Herr Bertsch, ich weiss, wie ich ticke, ich weiss sogar, woher diese unliebsamen Muster stammen. All das hilft mir aber nicht, mich anders zu verhalten.“

Wer sich selber wirklich verändern will, muss den Weg in die eigenen Untiefen auf sich nehmen. Eine Fähigkeit, die eben nur die allerwenigsten in ihrer Sozialisation mit auf ihren Weg bekommen haben, schlicht, weil wir in aller Regel in unserem frühen Werden zu wenig Bindung (Mutter) und Sicherheit (Vater) erfahren haben.

Die drei Ebenen im Coaching

In meiner Arbeit geht es darum, mit sich selber in Kontakt zu kommen und Bindungstraumata zu transformieren. Das ist das Ziel des Integralen Tiefen Coachings (ITC). Wir sprechen hier von drei Ebenen, auf denen Transformation geschehen kann:

Stufe 1: Auf der bewussten Symptomebene. Beispiel: Manuel hat einen Konflikt mit dem Vorgesetzten und sucht nach anderen, konstruktiven Umgangsformen.

Stufe 2: Auf der meist schwach bewussten Temperamenten-Ebene: Manuel ist innerlich unruhig und reagiert in Konflikten hitzig und unkontrolliert.

Stufe 3: Auf der unbewussten Seelen-Ebene: Manuel erfuhr wenig fürsorglich einhüllende, liebevolle Zuwendung und ist deswegen unruhig und hitzig.

Diese Darstellung ist nicht allzu schwer nachvollziehbar. Noch klarer wird es, wenn wir aus der Betroffenen-Sicht, aus der Sicht des Coachees, das Erleben dieser Ebenen erfahren können. Schauen wir das in der Praxis am Beispiel von Sandra an (Name geändert).

Der Ausgangspunkt für Sandra, eine in der Ausbildung befindliche Coachee, ist die Schwierigkeit, in der Kunden-Akquise auf mögliche Klientinnen und Klienten zuzugehen. Schauen wir nun, wie diese Ebenen erlebt und transformiert werden können.

Transformations-Coaching auf der Stufe 2

Wir gehen in dieser Phase schon einen Schritt tiefer als die Stufe 1, die vielleicht auch als Gesprächs-Therapie bezeichnet werden kann. Es geht also nicht nur darum, aus dem Gespräch direkte kognitive Erkenntnisse zu bekommen, sondern einen Erfahrungsraum zu schaffen, wo Coachees (KlientInnen) direkt neue Sichtweisen und Ressourcen und innere Teile erleben (in diesem Beispiel einen inneren Teil, der nach vorne prescht und einen ängstlichen, der blockiert). Hören wir, wie Sandra das erlebt hat:

Sandra: „Während ein Teil von mir einfach mal loslegen möchte, fühlt sich ein anderer völlig blockiert vor Angst. Mit dem Ziel, die beiden Positionen einander etwas anzunähern, schlägt Martin einen „Dialog mit dem leeren Stuhl“ vor. Abwechselnd nehme ich eine der beiden Positionen ein und äussere die Empfindungen und Sichtweisen der beiden Anteile. Nach einigen Positionswechseln nähern sich die beiden überschäumenden Teile einander an.“ 

Sandra empfindet schon diese Arbeit als sehr hilfreich, weil sie spürt, dass dieser innere Konflikt auf der bewussten Ebene bearbeitbar ist, diese Teile in Dialog treten können und so eine Befriedung stattfindet.

2. Transformationsarbeit auf einer tieferen Bewusstseins-Ebene

Diese Ebene ermöglicht Zugänge, wo das Selbst innere Anteile begegnet und heilt.

Sandra: „Martin fragt: ‚Braucht einer der Anteile noch etwas Unterstützung?‘ Ich empfinde es so, dass beide Teile noch Zuwendung brauchen. Martin: ‚Du bist nun deine Therapeutin, stell dich hinter den Stuhl, spüre, was der Anteil braucht und lass es ihm zufliessen.‘ Ich stelle mich hinter den Stuhl und versuche wahrzunehmen, was der Anteil ‚Begeistert loslegen‘ benötigt. Das braucht ein bisschen Zeit. Ich habe den Eindruck, dass der so begeistert wirkende Anteil eigentlich schlicht Angst hat, Wichtiges zu verpassen. Ich übermittle ihm: ‚Spür dich selbst. Du musst nicht auf jeden Zug aufspringen.‘ Während ich ihm Schutz und Beistand zufliessen lasse, empfinde ich, wie sich diese Angst auflöst. Anschliessend setze ich mich selbst auf diesen Stuhl, um die Unterstützung abzuholen. Zuerst fühle ich mich (wie vorher) sehr getrieben, irgendwie kindlich. Dann merke ich, wie der Zuspruch einsickert, ich beginne, mich älter und ruhiger zu fühlen. 

Nun ist der ängstlich blockierte Anteil dran. Ich stehe hinter dem Stuhl und übermittle ihm: ‚Spür, was um dich ist, du bist nicht allein. Um dich ist eine ganze Welt voller Möglichkeiten.‘ Auch ihm lasse ich Schutz und Beistand zukommen. Als ich mich dann auf den Stuhl setze, empfinde ich zuerst wieder Anspannung und Enge, die sich dann langsam lösen. Eine Empfindung von Struktur bleibt bestehen, ich habe den Eindruck, dass dieser Anteil angehört werden will, dass er argumentieren und reflektieren will. Nach dieser Phase leite ich für mich ab, was ich für mein weiteres Vorgehen in der Kundenakquisition mitnehmen will. Ich konnte die Situation merklich klären und werde mein angepasstes Ziel mit deutlich mehr innerer Ruhe anstreben können.“ 

3. Transformationsarbeit auf der Tiefen-Ebene, Stufe 3

Wir arbeiten erneut mit Sandra am Grund-Thema, diesmal mit Bild-Karten, die innere Anteile und Bedürfnisse zeigen:

Sandra: „Auf der Karte umhüllt die junge Mutter liebevoll ihr Kind. An diesem Punkt packen mich die Emotionen. Es kommen nicht einfach Emotionen hoch, sondern es fühlt sich an, als würde tief innen in der Seele etwas zerreissen und daraus (wahrscheinlich lang angestaute) Gefühle hervorsprudeln . Nicht differenziert, aber machtvoll. 

Schmerz und Verzweiflung kommen hoch. Ich merke aber, dass eine Sehnsucht nach umhüllender Liebe da ist, nehme sie einfach wahr – sie flaut langsam ab, macht einer Resignation und Trauer platz. Martin: ‚Kannst du dich von Gott mit Liebe umhüllen lassen?‘ Ich fühle hin und merke, dass da nichts durchkommt. Vor dem inneren Auge nehme ich einen pechschwarzen Raum um mich herum wahr. Immerhin stehe ich auf festem Boden. Ich fühle Ärger hochkommen. Um mich herum sieht es aus wie blaugraue Wellen, die immer höher schlagen. Ich lasse sie toben, schaue ihnen einfach zu, mit Martins Unterstützung. Da nehme ich hoch oben Helligkeit wahr. Während die Wellen weiter toben, senkt sich das Licht langsam zu mir herunter, bis es mich umhüllt. Ich versuche, offen zu bleiben für das, was passieren will. Erst mal nichts. Ich fühle nichts, kann keinen Kontakt zu dem Licht herstellen. Es kommt nicht auf mich zu, sondern ist einfach da. Ich versuche, innerlich weiter zu werden, strecke mich danach aus. Da habe ich den Eindruck, meine Hände nach dem Licht ausstrecken zu können, nicht nur zwei, sondern ganz viele Hände. Und das Licht streckt ebenso viele Hände zu mir aus, die ich ergreife. Augenblicklich empfinde ich die Lösung, die Befreiung. Ich empfinde es so, dass ich vorher keine emotionalen Hände hatte, um Kontakt aufnehmen zu können, und dass ich jetzt Hände habe, sogar ganz viele. Das fühlt sich gut an. Ich empfinde, dass da gerade etwas Grosses passiert.“ 

Neuronale Veränderung und emotionale Prozesse

Wir wissen heute, dass der Spruch ‚Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr‘ falsch ist. Unser Gehirn ist veränderbar. Neuronale Verschaltungen im Gehirn können sich aufbauen, verändern und wieder abbauen. In Experimenten konnte gezeigt werden, dass beim Erlernen von neuen Fähigkeiten, zum Beispiel Klavier spielen, neue Verschaltungen im Gehirn schon nach einigen Stunden aufgebaut und gestärkt werden. Wir sprechen hier von Neuroplastizität, der Fähigkeit des Gehirns, sich an erforderliche Leistungen anzupassen.

Nicht jedes Gehirn ist gleichermassen lernfähig. Um neue Verschaltungen aufzubauen erklärt zum Beispiel der Neurobiologe Gerald Hüther, braucht es die Ausschüttung von neuroplastischen Botenstoffen (Adreanlin, Noradrenalin, Dopamin, Endorphine etc.). Das heisst, unser Gehirn ist dann veränderbar und lernfähig, wenn eine Erregung oder Begeisterung da ist. Dies ist sozusagen der Dünger für unser Gehirn.

Um nun also tief sitzende erlernte negative Muster aufzulösen reichen Gespräche, die vor sich herplätschern, nicht aus. Es braucht eine emotionale Erregung (Arousal), etwas, das uns in der Tiefe berührt. Sandra schildert in ihrem Erlebnisbericht eindrücklich die unterschiedlichen Stufen des Ergriffen-Seins in ihrer seelischen Transformation.

Bedingungen neuronaler Veränderung

Es ist in der Psychotherapie-Forschung unbestritten, dass der bedeutsamste Wirkfaktor für positive Veränderung in der Beziehung von TherapeutIn und KlientIn besteht. Kein noch so umfassendes Wissen noch langjährige Erfahrung und Methoden-Kompetenz können diesen Faktor ersetzen. So berichtet etwa Sandra vom Gefühl, Sicherheit zu erfahren, sich im Vertrauen fallen lassen zu können und der Gewissheit, aufgefangen zu werden. Dieses Vertrauen auf der Seelenebene, das nicht in seichten netten Kontakten entsteht, sondern dann, wenn die tiefen Gefühlen auftauchen, ist der entscheidende Faktor in der Veränderungsarbeit.

Aus diesem Grund ist für mich für das Erlernen zentraler Lebens- und Selbstheilungs-Kompetenzen die Persönlichkeites-Kompetenz das zentrale Element. Diese Kompetenz beinhaltet, mit sich selber in Kontakt zu gehen, sich und seine Zustände zu fühlen und sich dadurch regulieren zu können. Wer Bindung mit anderen sicher gestalten möchte, muss zunächst zu sich selber eine Bindung aufbauen. In der Regel ist dies ein Prozess, der eine liebevolle Zuwendung und eine Nachnährung von unerfüllten Bedürfnissen erfordert. Man spricht in diesem Kontext auch von Nachbeelterung (Reparenting), Nachbemutterung und Nachbevaterung.

Diese Prozess bauen auf Bindung, Beziehung und Dialog auf. Die konstante Beziehung zu einem Therapeuten oder einer Therapeutin oder noch besser zu einer Gruppe ist entscheidend wichtig. Der Trauma-Therapeut Pete Walker spricht in diesem Zusammenhang auch von Social-Reparenting. Das heisst, dass gerade auch Gruppen von Gleichgesinnten, wo Verletzlichkeit und liebevolle Zuwendung geübt werden können, wichtige Orte der Heilung sind für Menschen, die sich selber auf dem Weg verloren haben.

Fazit und mein Angebot für dich

Wir leben in spannenden Zeiten in der die unterschiedlichen Haltungen immer deutlicher hervortreten und auch gegeneinanderprallen. Dieses Bild zeigt sich nicht zuletzt im amerikanischen Wahlkampf, wo es letztlich so ist, dass die Optionen unterschiedlicher kaum sein könnten: Lüge gegen Wahrheit, Trennung gegen Vertrauen und Zuwendung, Profit gegen menschliche Werte und Integrität…

Es wird entscheidend sein, auf welche Seite wir uns stellen. Sicher aber ist, dass eine gesunde Gesellschaft der Kooperation und der Menschlichkeit gesunde Menschen braucht, die gelernt haben, mit sich selber in Kontakt zu sein.

In meiner Ausbildung entstehen genau solche kleinen Oasen der Heilung und tiefen Selbstwerdung. Die immer mehr fordernde Leistungsgesellschaft und die zunehmende Digitalisierung sind Umgebungsbedingungen, die solche Heiloasen immer dringlicher notwendig machen, um gesund zu bleiben. Gesund sowohl auf der seelischen wie auch der körperlichen Ebene.

Wenn dich dieser Weg anspricht, lade ich dich herzlich ein, dich in meinen Lebensmatrix-Ausbildungen, Kursen und Begleitangeboten zu vertiefen. Gemeinsam gestalten wir einen Raum, in dem dein inneres Wachstum gefördert, reflektiert und gestärkt wird. Wenn du fragen hast, stehen wir unverbindlich und kostenlos im Rahmen eines telefonischen Infogespräches zur Verfügung. Wenn Du mehr wissen willst, zeigt dir eine Standortbestimmung im Rahmen eines Vorgespräches deine Ressourcen und Potenziale auf (CHF 150.–). Beide Angebote können online gebucht werden. 

Gemeinsam setzen wir den Fokus auf dein inneres Wachstum, damit du selbstbestimmt, lebendig und mit Freude deine Wahrheit leben kannst. Lass uns gemeinsam auf diese Reise gehen – für ein erfülltes, authentisches Leben im Einklang mit deinem wahren Selbst.

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17. Juli 2024

Ein selbstkritischer Bericht über ein hochaktuelles Thema

Man hört aktuell viel von Narzissmus. Meist berichten Opfer dabei von emotionaler Ausbeutung in toxischen Beziehungen. In den Geschichten, die erzählt werden, spielen die Narzissten dabei meist den Bösewicht. Man selbst ist gemäss Narrativ das Opfer. Dieses Muster zeigt sich gerade auch in der hochsensiblen Szene.

In diesem Artikel wage ich einen anderen, einen holistisch-phänomenologischen Blick auf das Thema. Dabei komme ich zum Teil zu neuen und wichtigen Schlüssen: Es ist für mich durchaus plausibel, dass es hochsensible Narzissten gibt und die Phänomene Narzissmus und Hochsensibilität sogar eng miteinander verbunden sind.

Hochsensiblen eilt oft ein schlechter Ruf voraus

Ich weiss nicht wie es dir geht. Natürlich finden wir Hochsensible oder Hochsensitive unser Thema interessant. Aber gegen aussen hin ist der Ruf von Hochsensiblen meist wenig berauschend. So begannen einige Gesprächspartner beim Thema Hochsensibilität kürzlich wiederum verärgert mit den Augen zu rollen… Diese Reaktion hat mich nachdenklich gemacht: Ich habe mich gefragt, ob diese negative Reaktion tatsächlich mit Hochsensitivität zusammenhängt oder nur damit, wie wir damit umgehen? Zunächst sollten wir aber den Begriff Narzissmus etwas unter die Lupe nehmen.

Was ist ein Narzisst, eine Narzisstin?

Wir alle kennen ihn, den griechischen Mythos von Narziss, der die Liebe anderer verweigerte und sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte. In der Psychiatrie wird die narzisstische Persönlichkeitsstörung als krankhafte Anerkennungssucht, Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und Mangel an Empathie beschrieben. In der Alltagspsychologie und umgangssprachlich meinen wir mit Narzissmus nicht nur Vollnarzissten. Vielmehr sind damit auch Menschen mit einer narzisstischen Tendenz gemeint. Menschen, die die beschriebenen Merkmale aufweisen, ohne aber als psychisch krank zu gelten.

Der Begriff des Narzissmus hat sich in den letzten Jahren zunehmend erweitert. So spricht man heute einerseits von einem grandiosen Narzissten (männlich aktive Form). Ich finde hier auch den Begriff egozentrischer Narzissten passend. Andererseits gäbe es auch einen verdeckten oder minderwertig-depressiven Typen (weiblich passive Form). Hier könnte man auch von einem allozentrischem Narzissten sprechen. Oft fänden diese sich ergänzenden Typen in narzisstischen Liebesbeziehungen denn auch zueinander.

Vielleicht ist unsere aktuell Gesellschaft sogar der natürliche Nährboden für Narzisstinnen und Narzissten: Fleiss, Leistung und Cleverness ist gefragt. Und das können sie, die Narzissten. Kein Wunder trifft man sie überall an: In der Wirtschaft als Leader, Im Netz als Meinungsbilder, im Sport als Helden und nicht zuletzt auch in der Politik als Drahtzieher und Führungsfiguren. Doch, woher kommen eigentlich Narzisstinnen und Narzissten? Denn eines ist klar: So geboren ist von ihnen keiner!

Wie man ein Narzisst oder eine Narzisstin wird

Psychologische Erklärungsmodelle gehen davon aus, dass Narzissten als Kinder entweder übermässig degradiert oder übermässig vergöttert wurden. Wir können und sollten an dieser Stelle aber weiter gehen, um die tiefe Verletzung eines Menschen mit narzisstischen Tendenzen verstehen zu können. Narzissmus ist im Wesentlichen eine Traumafolgestörung. Dabei sprechen wir nicht von Schocktraumata, sondern von Entwicklungstraumata. Es geht also nicht darum, was mir passiert ist, sondern was mir nicht passiert ist und ich als kleines Kind an elementaren Bedürfnissen hatte: Zuwendung, Bindungsbedürfnisse, die Welt und die Beziehung zu Erwachsenen als sicheren Ort zu erfahren… Dieser zugegebenermassen weit gefasste Trauma-Begriff ist für das Verständnis von Narzissmus aus meiner Sicht sehr wichtig. Er verändert in dieser Zeit gerade unser Verständnis von Krankheit und Gesundheit. So beschreibt die Trauma-Expertin Dami Charf in einem Aritkel zum Thema „Entwicklungstrauma und Narzissmus„, dass 80% der Menschen eigentlich traumatisiert sind! Die Trauma-Folgen sind sehr verschiedenartig. Doch jenseits der bio-psycho-sozialen Symptome geht es nach Charf um folgendes: „Trauma ist das Gegenteil von Verbundenheit und Lebendigkeit. Trauma trennt uns von uns selbst, anderen und der Erde, auf der wir leben.“ Der Bestseller-Autor Gabor Maté bringt das eindrücklich auf den Punkt:

Gabor Maté zum Thema Trauma als Störung der Beziehung zu sich selbst.

Trauma-Verständnis als Schlüssel zur Selbstheilung

Das Trauma-Verständis ist für den Menschen der Neuzeit aus meiner Sicht eine fundamental wichtige Botschaft jenseits von Polarisierungen von Gut und Böse. Die Herausforderung: Du bist zutiefst verletzt. Die Heilsbotschaft: Du kannst dich selber heilen.

Schauen wir uns diese Kernbotschaft genauer an: Die Bindungstheorie oder Bindungspsychologie hat zum Verständnis des Entwicklungstraumas wichtige Vorarbeit geleistet. Wer als Kleinkind eine sichere Bindung erlebt hat, entwickelt später auch eine sichere Bindung in sich. Man fühlt sich dann verbunden mit sich und ist authentisch (nach Gabor Maté). Ein heranwachsendes gut gebundenes Kind entwickelt denn auch eine gesunde Egozentrik und lernt Beziehungen zu sich und der Welt gesund zu regulieren.

Schlecht gebundene Kinder, die keine stabile Elternschaft erlebt haben, entwickeln sich so, dass sie verunsichert sind, weniger gut oder kaum mehr spüren, was sie wirklich brauchen und wie sie sich ihre authentischen gesunden Bedürfnisse befriedigen können.

Schlecht angebundene Kinder sind auch als erwachsene Menschen noch unsicher und können sich schlecht regulieren. Sie geraten deshalb oft in eine Opfer oder Täter-Rolle.

Bindung als Grundlage einer gesunden Selbstregulation

Die Bindung an sich und an die äussere Welt ist letztlich die Grundlage einer gelingenden Selbstregulationsfähigkeit.

Schauen wir einer wütenden, erniedrigenden Mutter ins Gesicht, fühlen wir uns verunsichert, schwach. Wenn wir einer liebenden Mutter entgegenblicken, fühlen wir uns unterstützt und sicher. Selbstverlorenheit führt zu einer schlechten Emotions-Kontrolle mit erhöhter Aggressivität und Verletzlichkeit. Eine gute Selbstanbindung ist die Grundlage von Resilienz und emotionaler Stabilität.

Sind Hochsensible verdeckte Narzissten?

Das Thema Hochsensiblität, Hochsensitivität oder Neurosensitivität und Narzissmus ist nicht neu. Es wurde schon vor einigen Jahren von Sandra Quedenbaum und Oliver Domröse diskutiert (Youtube-Beitrag). In Darstellungen von Sylvia Harke und vielen anderen ist der hochsensible Mensch meist Opfer von Narzisstinnen oder Narzissten. Der Hochsensible aber ist kein Narzisst.

Michael Kleist ist der Ansicht, das Hochsensible nicht narzisstich veranlagt sein können. Hochsensitive seien sehr empathisch, währenddessen narzisstisch Veranlagte das eben nicht sind (Youtube-Beitrag). Diese Ansicht vertrete ich nicht. Ich halte sie sogar als gefährlich. Das Argument von Kleist ist fürs erste plausibel, aber zu schematisch. Narzisstische Menschen haben durchaus sehr intensive Gefühle und auch eine emotionale Intelligenz. Ohne sie könnten sie ihre toxische Beziehungs-Masche gar nicht aufziehen können. In der narzisstischen Beziehungsstruktur findet sich sehr wohl eine Empathie und Fähigkeit, mitzuschwingen. Zudem ist Empathie keine statische Grösse: Es gibt Situationen, wo sie mir leichter fällt oder ich sie grad gar nicht erst brauche, sie mir vielleicht sogar im Weg ist.

Nur eines können Narzissten nicht…

Nur, was Narzisstinnen und Narzissten eben nicht können und in der Liebesbeziehung schmerzlich fehlt, ist lieben. Denn die Liebe baut auf Selbstliebe auf. Nur wer sich selber liebt, kann auch andere lieben. Die wahre Liebe setzt aber eine sicher Bindung zu sich und der Welt voraus. Sie unterscheidet sich deshalb fundamental von einer unsicheren Selbstverliebtheit und Geltungssucht der Narzistinnen und Narzissten.

Gerade jene, die sich gerne als Opfer von Narzissten bezeichnen, machen sich aus meiner Sicht verdächtig, in sich Teile eines verdeckten oder allozentrischen Narzissten zu haben. Ohnehin glaube ich, dass wir alle narzisstische Teile in uns haben. Ich habe in den letzten Wochen sehr viel gelernt dabei, diese Teile in mir zu ergründen. Es täte eben gerade jenen gut, die mit dem Finger auf andere zeigen, diesen zugegebenermassen zunächst wenig erfreulichen Weg zu gehen.

Das Wesen des hochsensitiven Menschen im Spiegel des Werte und Entwicklungsquadrates

Bevor wir uns der Thematik der narzisstischen Projektion zuwenden erscheint es mir wichtig, das Wesen des hochsensitiven Menschen aus einer holistischen Sicht näher zu verstehen. Dazu möchte ich das Werte- und Entwicklungsquadrat zu Hilfe nehmen. Es ist in Modell, dass bereits von Aristoteles verwendet wurde und für die Psychologie von Nicolai Hartmann ausgearbeitet wurde.

Jede Tugend hat gemäss diesem Ansatz eine Schwesterntugend. Beide, die Tugend und die Schwesterntugend, haben aber auch negative Aspekte. Diese Auslegeordnung finde ich für das Thema der Charakterstärken generell, aber auch für das Thema Hochsensibilität sehr relevant (siehe dazu auch Ausführungen zur Methodik des Integralen Tiefen Coachings). Hier also eine bildliche Darstellung des Werte- und Entwicklungsquadrates für Hochsensitive:

Den Hochsensitiven würde ich als selbstoffenen Charaktertypus beschreiben. Seine Herausforderung (positive Integration) ist es in gewissen Situationen Zugriff zu haben zu Selbstbewusstsein und einer gesunden Egozentrik. Der selbstoffene Typus läuft aber, wenn er nicht achtsam mit sich umgeht, Gefahr, in eine Dekompensation zu verfallen und dabei die Opferrolle zu übernehmen. Zudem besteht auch die Gefahr einer Kompensation, indem er zum Täter wird und in gewissen Situationen übermässig aggressiv und verletzend werden kann.

Sowohl die schwache Rolle als Opfer wie auch die Täter-Rolle haben erschreckende Ähnlichkeit mit dem psychologischen Muster des allozentrischen oder verdeckten Narzissten (Opfer) und dem grandiosen oder egozentrischen Narzissten (Täter)! Beide Rollen setzen eine ungenügende Selbstanbindung voraus.

Vom hochsensiblen Projektor zum hochsensitiven Introspektor

Wir wissen es: Es gibt nicht nur den hochsensiblen Menschen, es gibt verschiedene Typen. der Hochsensitivitäts-Forscher Michael Plüss etwa unterscheidet vulnerable Hochsensible (anfällige Hochsensible, die die Schattenseiten der Sensitivität erleben) und vantage Hochsensible (die vor allem die Sonnenseite der Sensitivität leben). Diese Unterscheidung halte ich für sehr wichtig, denn es macht deutlich, dass nicht die Sensitivität das Problem ist, sondern unser aktiver Umgang damit (die Informations-Verarbeitung). Wir können und müssen vielleicht auch als hochsensibler Mensch unsere Resilienz stärken.

Ich halte es an dieser Stelle aber für sehr bedeutsam, eine weitere Unterscheidung von hochsensitiven Menschen zu wagen, da es sich zeigt, dass viele Menschen gar nicht erst bereit sind, an sich zu arbeiten. Diese Offenheit ist aber die Grundlage jeglicher innerer Entwicklung und Resilienzförderung. Ich würde hier vom hochsensiblen Projektor sprechen, der bei Schwierigkeiten immer auf andere zeigt, nur nicht selber Verantwortung übernehmen mag. Dieses egozentrische Narzissmusmuster begegnet mir bei Hochsensiblen nicht selten.

Fazit und mein Angebot für dich

Die Frage ist dann natürlich, welches positive Entwicklungsmuster dem Projektor gegenüber steht. Ich habe hier auch schon vom hochsensiblen Pilger gesprochen, einem Menschen, der bereit ist, den Weg auf sich zu nehmen, an sich zu arbeiten, sich weiterzuentwickeln, sich in Bewegung zu setzen und Verantwortung für sich und die Mitwelt zu übernehmen. Etwas nüchterner könnten wir hier auch vom hochsensitiven Introspektor sprechen (siehe auch den Blogartikel ‚Die Entschlüsselung der Hochsensibiltiät, Ansätze eienr radikalen Umdeutung‚). Es ist ein Mensch, der bereit ist, den Blick nach innen, selbst in die tiefsten Abgründe zu wenden und gegen aussen demütig und bescheiden auftritt (was immer ein Zeichen innerer Reife ist). Letztlich ist es auch ein Mensch, der bereit ist, einen spirituellen Weg zu gehen (siehe auch den Blogartikel ‚Hochsensibilität, Spiritualität und Traumaheilung‚).

Wenn dich dieser Weg anspricht, lade ich dich herzlich ein, dich in meinen Lebensmatrix-Ausbildungen, Kursen und Begleitangeboten zu vertiefen. Gemeinsam gestalten wir einen Raum, in dem dein inneres Wachstum gefördert, reflektiert und gestärkt wird. Wenn du fragen hast, stehen wir unverbindlich und kostenlos im Rahmen eines telefonischen Infogespräches zur Verfügung. Wenn du mehr wissen willst, zeigt dir eine Standortbestimmung im Rahmen eines Vorgespräches deine Ressourcen und Potenziale auf (CHF 150.–). Beide Angebote können online gebucht werden. 

Gemeinsam setzen wir den Fokus auf dein inneres Wachstum, damit du selbstbestimmt, lebendig und mit Freude deine Wahrheit leben kannst. Lass uns gemeinsam auf diese Reise gehen – für ein erfülltes, authentisches Leben im Einklang mit deinem wahren Selbst.

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7. April 2024

Bevor du dem Licht entgegenstirbst, will das Leben gelebt werden, oder wie wir mit Zuständen unser Leben erfüllter leben können

Lebst du das, was du wirklich bist oder bist du gefangen in der Endlosschleife deiner unbewussten Muster und Konditionierungen?

Eine kleine, etwas peinliche Geschichte

Bevor wir dieser Frage nachgehen, lass mich dir eine kleine Geschichte erzählen, die mir passiert ist. Ich zog am 6.12.2020 in meine Wohnung in Bern und richtete mich gemütlich ein. Ich fühlte mich von Beginn weg wohl und war zu frieden. Klar, es blieben einige Details hier und dort, die mich störten, etwa die Küchenbeleuchtung. Es baumelte dort an einer Schiene ein komischer Scheinwerfer von der Decke, der bloss einen schmalen Lichtkegel auf den Boden warf. Zumal die kleineren Lampen unter den Küchenschränken nach und nach den Geist aufgaben und die Elektriker keine Idee hatten, wie man das sinnvoll reparieren kann, war die Situation alles andere als ideal. Um die auch tagsüber vorhandene Düsternis aus der Küche zu vertreiben, schaltete meine Partnerin immer wieder dieses skurrile Spotlight an. Zumal man beim Kochen sich dem Eindruck nicht entziehen konnte, dass dieses Ding einem den Skalp wegbrennt, zog ich die Dunkelheit dem unangenehmen Lichtkegel vor. So lebten wir dahin und gewöhnten uns nach und nach an diese Situation, so wie man sich eben an manche Ärgernisse im Leben halt so gewöhnt. Es war kein grosses Ärgernis. Und doch, es war eben schon eines.

Die Lösung ist oft einfacher als gedacht

Heute nun hatte ich, bezeichnenderweise an einem beschaulichen Ruhetag, die zündende Idee: Ich müsste ja eigentlich nur den Scheinwerfer von der Schiene an der Decke abhängen und könnte dafür drei Spots vom Wohnzimmer, die nie gebraucht wurden, in die Schiene in der Küche klemmen. Gesagt getan. Diese kleine Werkeinheit dauerte kaum 10 Minuten und war ein voller Erfolg! Die Küche ist nun schön ausgeleuchtet. Ich wurde nach einer Phase der Erleichterung, des Stolzes über den gelungenen Auftritt und Freude über das neue Licht in der Küche aber immer nachdenklicher. Schliesslich realisierte ich mit Schrecken: Ich habe doch tatsächlich diese Fehlbeleuchtung ganze 1219 Tage hingenommen, dabei war die Lösung doch so lächerlich einfach und komplett kostenfrei!

Es werde Licht: Eine Metapher für das Leben

Ist es nicht so, dass es uns, öfter als gewollt, im Leben genau so ergeht? Wir harren aus, teils, weil wir uns der Ärgernisse gar nicht genügend bewusst sind, teils, weil wir nicht wissen, wie wir aus den Endlosschleifen des Lebens aussteigen können. Wie sagte Albert Einstein einst so schön:

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

Das Problem liegt meist darin, dass wir gar nicht erst auf eine andere Ebene kommen. Eine Ebene, die es ermöglicht, Probleme aus der Distanz zu beobachten, uns kreativ Lösungen zu öffnen und aus einem Flow-Zustand heraus schliesslich auch Lösungen umzusetzen.

Kennst du dieses Problem? Ist diese Geschichte nicht in einem erschreckenden Ausmass eine Metapher für unser Gefangen-Sein in der Dunkelheit unserer Selbstgenügsamkeit? Risikomanagement, bestimmt durch unsere eigenen Ängste, könnte man meinen: Ja keinen Schritt aus der Komfortzone heraus, auch wenn das Leben noch so leidvoll ist.

Immer mehr Menschen werden sich des Leidens bewusster und suchen nach Auswegen. Doch wie finden wir sie?

Der Weg zum Licht führt über die Farben und die vielfältige Lebendigkeit des Lebens

Zwischen der Dunkelheit und dem Licht liegt die vielfältig bunte Welt der Farben. Bevor wir dem Licht entgegensterben, gilt es, ganz ins Leben mit all seinen Farben einzutauchen. Der Beatle-Musiker John Lennon meinte einst treffend: „Das Leben ist das was passiert, während wir dabei sind, andere Pläne zu machen.“ Oder wie es der spirituelle Lehrer Osho ausgedrückt hat: „Die Frage ist nicht, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Die Frage ist, ob du vor dem Tod lebendig bist.“ Aber was heisst denn ‚Leben‘ im Unterschied zum stumpfen Funktionieren und dem erschöpfenden Lauf im Hamsterrad?

Als ich vor vielen Jahren erschrocken war über die vielfältigen Muster, die mich im Leben zurückgebunden hatten, kam mir eine zündende Idee. Wie wäre es, wenn ich mir neue Optionen schaffe und die ausgefahrenen Geleise verlasse? Aber was heisst es, neue Optionen zu kreieren?

In den letzten Jahren hat der Begriff der Neurodiversität stark an Gewicht gewonnen. Immer mehr begannen Menschen sich gegen den Normierungsdruck und die inflationäre Diagnose-Angst in der Gesellschaft zu wehren. Was, wenn das Leben eine sprühende Vielfalt ist, die vielleicht den anderen nicht in den Kram passt, aber ein unverzichtbaer Teil meiner Selbst ist? Was, wenn du eigentlich ganz anders bist, als du meinst, zu sein?

In meiner Arbeit fokussierte ich immer mehr darauf, den Mensch in die Vielfalt einzuführen, nicht nur Mental, sondern mit dem ganzen Fühlen und Sein. Wo und wie gelingt uns das treffender als mit Bewegung und Musik, dachte ich mir. So begann ich, mit Menschen in Bewegung und Musik ganz unterschiedliche Qualitäten zu erleben, zu bewegen, zu fühlen und zu zeichnen. Dabei ist es frappant zu erkennen, wie unterschiedlich Qualitäten und Zustände sein können.

Die Entdeckung der Zustände

Zustände können positiv stärkend sein, oder aber auch schwächend negativ. Hier einige markante Zustände: beengend, unruhig, verkrampft (links), frei, verbunden, freudig (mitte) oder zentriert (rechts):

Das verblüffende ist, dass Zustände meist innert kürzester Zeit bewusst verändert werden können. Ich nenne das vegetative Kompetenz. Fatal ist es aber, dass wir diese Kompetenz nicht erlernt haben und kaum oder gar nicht nutzen. Die unbewussten Zustände verharren so meist erschreckend lange in uns: Wir gehen grollend durchs Leben, wütend oder wie auch immer. Und meist fühlen wir uns als Opfer dieser unbewussten Emotionen. Es zeigt sich, dass Achtsamkeit und Bewusstheit diesen Zuständen gegenüber ein wichtiger Schlüssel ist zu einer psychologischen Lebenskompetenz.

In meiner Arbeit geht es darum, Zustände bewusst zu machen und zu lernen, Zustände zu verändern, um adäquat auf innere und äussere Reize zu reagieren und unser Handlungsrepertoire zu erweitern. Im Set von Zuständen gibt es aber auch ein „Heimatfeld„, in dem wir uns besonders wohl fühlen. Diese Energie ist nicht unbedingt das , was wir leben, denn systemische Einflüsse können unser natürliches Sein verschütten. Deshalb geht es in meiner Arbeit darum, nach dem Zustand der Unbewusstheit jenseits von Prägungen und unbewussten Mustern nach dem eigentlichen Naturell zu suchen. So können wir unser eigenes Naturell und natürliches Sein finden. Ein Einstieg in diese Arbeit ist der Erfahrungstag Lebensmatrix.

Fazit und mein Angebot für dich

In einem weiteren Entwicklungsschritt darf das Eigene erweitert werden, dürfen ungelebte Teile aktiviert und angereichert werden. Damit steigen die Handlungsoptionen und Freiheiten, adäquat und authentisch zu handeln. Dieser Prozess der Ganzwerdung ist letztlich auch ein Schritt der Menschwerdung, ein Schritt, ganz Mensch zu werden. Dabei zeigt sich, dass die innere Vielfalt kein Chaos darstellt, sondern einer geheimnisvollen Ordnung unterliegt.

Wenn dich dieser Weg anspricht, lade ich dich herzlich ein, dich in meinen Lebensmatrix-Ausbildungen, Kursen und Begleitangeboten zu vertiefen. Gemeinsam gestalten wir einen Raum, in dem dein inneres Wachstum gefördert, reflektiert und gestärkt wird. Wenn du fragen hast, stehen wir unverbindlich und kostenlos im Rahmen eines telefonischen Infogespräches zur Verfügung. Wenn du mehr wissen willst, zeigt dir eine Standortbestimmung im Rahmen eines Vorgespräches deine Ressourcen und Potenziale auf (CHF 150.–). Beide Angebote können online gebucht werden. 

Gemeinsam setzen wir den Fokus auf dein inneres Wachstum, damit du selbstbestimmt, lebendig und mit Freude deine Wahrheit leben kannst. Lass uns gemeinsam auf diese Reise gehen – für ein erfülltes, authentisches Leben im Einklang mit deinem wahren Selbst.

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29. September 2023

Wissen ist Macht. Nichtwissen scheint in unserer Gesellschaft die Domäne der Dummköpfe und Zurückgebliebenen zu sein. In diesem Artikel zeigt Martin Bertsch, dass wir genau besehen nur meinen zu wissen.

Bewusstes Nichtwissen ist das Tor zu einer tieferen Weisheit. Bereits der antike Philosoph Sokrates erkannte, dass das weise Nichtwissen keine Schwäche, sondern eine Stärke ist. Die Kraft des radikalen Nichtwissens ist unumgänglich der Anfang einer menschlichen und spirituellen Reifung.

Das antike „Ich weiss, dass ich nicht weiss“

Nichtwissen macht angst. Es ist für den Durchschnitts-Menschen einfacher, im Netz seines Scheinwissens und gesellschaftlicher Normen gefangen zu sein als sich in den Abgrund des Nichtwissens zu werfen. Doch genau besehen haben wir gar keine Wahl, wenn wir nur achtsam genug werden.

Das wussten schon die antiken Skeptiker. Als einer ihrer ersten Vertreter bekannte Sokrates: „Ich weiss, dass ich nicht weiss„. Mit seiner Methode der Mäeutik, einer philosophischen „Hebammenkust“, wurde für Sokrates das Erkennen ein dialogischer Prozess, der durch das Hinterfragen des Philosophen dazu führt, das der Suchende einen Sachverhalt selber ergründet, und nicht einfach vorgefertigtes Wissen wiederkaut.

Später meinte Arkesilaos, der Leiter der skeptischen Akademie: „Nichts ist sicher, und nicht einmal das ist sicher„. Die Geburtsstunde unserer wissenschaftlichen Kultur ist geprägt von einem tiefen Skeptizismus gegenüber allen Dingen. Alles ist zu hinterfragen, nichts ist sicher.

Wissen ist Macht (Francis Bacon)

Es scheint, dass in der Geistesgeschichte der Menschen genau diese skeptische Vorsicht und Zurückhaltung mehr und mehr zerbröckelte. Im Mittelalter bildete sich eine unheilige Allianz zwischen der Kirche und Wissenschaft und auf einmal wusste man, was man zu wissen hat, wenn einem das Leben lieber war als etwaigen „Ketzern“ wie Giordano Bruno.

Die Philosophie von Francis Bacon legte später unter anderem den Grundstein für die Aufklärung. Seine Ansicht, dass Wissen macht sei, prägte die Revolution des Verstandes, der mehr und mehr zu wissen glaubte, was Sache ist. Die Erde ist rund, sie kreist um die Sonne, die Sonne ist Teil unseres Universums. Der Körper besteht aus Atomen, Deutschland entfachte den zweiten Weltkrieg… Mehr und mehr, durch die Spinnweben einer Allianz aus Wissenschaft, die definiert, was zu wissen ist und der Presse, die weiss, was wir wissen sollen, sehen wir uns eingelullt und verstrickt in einem enger und enger werdenden Kokon des Wissens. Ein Wissen, das uns trennt vom wahren Sein, das sich nur den Kindern und Weisen erschliesst.

Die Ebenen des Wissens und der Wirklichkeit

Er ist noch jung, der wiedergeborene Skeptizismus der alten Zeiten. Mit Imanuel Kant regten sich Zweifel und in der Postmoderne stellt der Konstruktivismus vieles in Frage, was lange als gesichert galt. Zum Beispiel, dass es da draussen eine Welt gibt. Eine Welt da draussen, so das Postulat der neuen Skeptiker, in der wir noch nie waren.

Der Konstruktivismus unterscheidet zwischen zwei Ebenen der Wirklichkeit. Die Wirklichkeit der ersten Ordnung sind Fakten und Tatsachen, die uns die Sinne vermitteln. Die Wirklichkeit der zweiten Ordnung sind Zuschreibungen. Paul Watzlawick erklärt dies anschaulich: Wir sehen ein rotes Licht (erste Ordnung) und machen Zuschreibungen wie stopp, man darf nicht fahren (zweite Ordnung).

Unsere Welt ist voller Zuschreibungen, die so überborden, dass wir das Eigentliche gar nicht mehr beachten. Diesem Abhandenkommen des eigentlich Seienden trauern auch die Mahayana-Buddhisten nach. Auch für sie gibt es zwei Ebenen der Wirklichkeit: Eine Ebene der nicht-dualistischen absoluten Wirklichkeit, die durch die Unmittelbarkeit mit Worten gar nicht beschreibbar ist und eine zweite Ebene der relativen Wirklichkeit, wie unser Ego die Welt wahrnimmt.

Wir können wählen, auf welcher Ebene wir leben, auf der Ebene der relativen Wirklichkeit (hind. Samsara) oder der absoluten Wirklichkeit (hind. Samadhi). „Haben oder Sein“ stellte uns auch der Humanist Erich Fromm dereinst vor die Wahl…

Der Preis des Wissens

Wir scheinen mit unseren Konzepten über die Wirklichkeit so beschäftigt zu sein, dass wir die Ebene des wahren Seins darüber vergessen. Nur Kinder und Weise haben diesen Zugang, Kinder unbewusst, die Weisen bewusst.

Der Preis dieses verstandesbasierten Realitätsverlustes des unmittelbar Seienden ist uns nicht bewusst. Wir verlieren die Begeisterung über das was ist. Kinder lassen sich noch in ihrer Offenheit berühren vom Seienden und sind begeistert. Über fünzig Mal pro Tag, Erwachsene kaum ein Mal, rechnet der deutsche Neurobiologe Gerald Hüther vor.

„Begeisterung ist der wichtigste Treibstoff für die Entwicklung des Gehirns. Wenn eine Entdeckung unter die Haut geht, werden emotionale Zentren im Mittelhirn aktiviert. Dann setzen diese Zellgruppen vermehrt sogenannte neuroplastische Botenstoffe aus. Sie wirken wie Dünger auf die neuronalen Netzwerke. Nervenzellen produzieren vermehrt Eiweiße, die für Neubildung und Stabilisierung von Nervenzellkontakten gebraucht werden. Deshalb lernen Kinder, aber auch Erwachsene immer dann besonders gut, wenn sie begeistert sind.“ (Welt)

Unser Verstand enthob uns des Seienden und unser eigenes Sein und damit auch unser Hirn vertrocknet in der künstlichen Welt der abgeschnittenen Welt der bedeutungslosen Bedeutung. Gibt es eine Rettung?

Wenn ihr nicht werdet wie Kinder

„Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen“ (Math. 18:3) soll einer einst gesagt haben, der die westliche Welt mit seinen unerschütterlichen Reden geprägt hat.

Nur, sollten wir uns etwa zurückbewegen? Nicht wirklich meinen die Integralen Theoretiker, aber das unreife Leben und das reife Leben haben Änlichkeiten. In den zirkulären Weltwirklichkeiten berühren sich Anfang und Ende.

Nachfolgendes Schaubild gibt einen Überblick über die Entwcilungsstufen des Menschen und das Werden des Verstandes und Rollenselbstes. Nach der Mitte des Lebens wird der Zenit überschritten und das Ich-Selbst / Rollenselbst transzendiert sich in etwas Grösseres. Die spirituelle Geburt steht an, Viele scheitern weit vorher…

Ich selber kann micht gut erinnern, als ich zum erten Mal als kleiner Knopf geahr wurde, dass bei Auto ein Rohr stinkende Gase in die Umwelt verpuffte und ich frage erschrocken besorgt meinen Vater, was aus der Welt wird, wenn dieser Gestank nicht aufhört. Ich wurde von Parolen meines Vaters beschwichtigt, und so weicht die Kindliche Neugier und Unschuld im Nichtwissen einem Scheinwissen. Die Mechanik der Photosynthese verdrängt im verbildeten Menschen der Gegenwart ein unsagbares Wunder der Natur. Das Leben, Entfaltung und Werden verblasst hinter Formeln der Evolutionsbiologie und so weiter und so weiter. Das Leben verblasst, aber es verblasst nicht nur hinter Büchern, es verblasst auch in uns.

Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Wenn wir beginnen zu hinterfragen, erscheinen zaghaft hinter frostigen Schichten die Farben des Lebens. So wird der reife Mensch, wenn er es zulässt und zulassen kann, sich dem Leben wieder öffnen und wie einst Sokrates verstehen, dass er nicht weiss, nicht wirklich weiss. Er wird die Kraft des radikalen Nichtwissens mehr und mehr begreifen. Vielleicht wie der Weise Zhuangzi, der nicht einmal mehr weiss, was Leben selbst ist:

Fazit und mein Angebot für dich

Gestern Nacht träumte ich,

ich wär ein Schmetterling

und flog von Blume zu Blume.

Da erwachte ich und siehe:

Alles war nur ein Traum.

Jetzt weiß ich nicht:

Bin ich ein Mensch der träumte,

er sei ein Schmetterling,

oder bin ich ein Schmetterling,

der träumt, er sei ein Mensch?

In diesen Zeilen schwingen tiefe Weisheiten, die unser Verstand nicht fassen kann. Wenn dich dieser Weg anspricht, lade ich dich herzlich ein, dich in meinen Lebensmatrix-Ausbildungen, Kursen und Begleitangeboten zu vertiefen. Gemeinsam gestalten wir einen Raum, in dem dein inneres Wachstum gefördert, reflektiert und gestärkt wird. Wenn du fragen hast, stehen wir unverbindlich und kostenlos im Rahmen eines telefonischen Infogespräches zur Verfügung. Wenn du mehr wissen willst, zeigt dir eine Standortbestimmung im Rahmen eines Vorgespräches deine Ressourcen und Potenziale auf (CHF 150.–). Beide Angebote können online gebucht werden. 

Gemeinsam setzen wir den Fokus auf dein inneres Wachstum, damit du selbstbestimmt, lebendig und mit Freude deine Wahrheit leben kannst. Lass uns gemeinsam auf diese Reise gehen – für ein erfülltes, authentisches Leben im Einklang mit deinem wahren Selbst.

 

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14. September 2023

Martin Bertsch zeigt in diesem Artikel der Entschlüsselung der Hochsensibilität, dass man diese nicht aus sich selber heraus verstehen kann, sondern dass es einen Meta-Bezugsrahmen braucht, um das Phänomen der Hochsensitivität im Kontext von anderen Temperamenten verstehen zu können. Er skizziert neben den vier alten griechischen Temperamenten ein fünftes Temperament als ‚Introspektor‘: Ein Ansatz eines integralen Verständnisses der Hochsensitivität und eine radikale Umdeutung.

Hochsensibilitäts-Debatte als Tautologie (Zirkelschluss) entlarvt

Als Birgit Trappmann-Korr in einem Fernsehinterview des Westdeutschen Rundfunks 2009 gefragt wurde, woran man denn Hochsensibilität bei Menschen erkennen kann, meinte die Expertin damals: „Hochsensible sind Menschen mit einer ausgesprochenen Sensibilität…“. Dagegen ist natürlich wenig einzuwenden, die Frage ist nur, wie hilfreich diese Art von Erklärung ist.

Selbstverständlich hat Frau Trappmann-Korr damals auch erhellendere Ausführungen gemacht. Mit dem Buch ‚Der N-Faktor: Hochsensibilität und Persönlichkeit‚ hat Frau Trappmann später sogar aus meiner Sicht einen sehr hilfreichen Beitrag zur Wesenhaftigkeit der Hochsensiblen gemacht. Diese Ansätze sind allerdings aus meiner Sicht viel zu vereinzelt.

Es fällt auf, dass viele Erklärungen in Bezug auf Hochsensibilität philosophisch gesehen wenig über das Niveau eines Zirkelschlusses hinausragen. So sagen etwa die vielzitierten Sensitivitätsfacetten von Homberg für sich genommen nicht viel aus:

  1. Höheres Bewusstsein von umweltbezogenen Feinheiten
  2. Tiefere Verarbeitung von sensorischen Informationen
  3. Stärkere emotionale Reaktivität
  4. Erhöhte Anfälligkeit für Überstimulation

Man kann das Phänomen der Hochsensibilität schlicht nicht aus sich heraus beschreiben, sondern es braucht meiner Ansicht nach einen Bezugsrahmen, der es erlaubt, das Phänomen auch von aussen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Hochsensibilität als 5. Temperament

Eine eigentliche Temperamentenlehre ist in der modernen Persönlichkeitspsychologie verloren gegangen. Mit den Big Fife setzt man einzig auf weitgehend unabhängige messbare Persönlichkeitsanteile. Die Fragemtentierung der menschlichen Seele hat aus meiner Sicht aber einen hohen Preis, wobei nicht nur, aber gerade der Laie letztlich die Übersicht verloren hat.

Wenn wir Hochsensibilität als Temperament verstehen, ist es naheliegend, die alte griechische Temperamenten-Lehre von Galenos heranzuziehen und sich zu fragen: Welches Temperament entspricht dem Typus des Hochsensiblen? Die Idee von Galenos ist, die vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer je einem Temperament zuzuordnen. Dabei wurden in Anlehnung an die vermutlich schon im alten Ägypten verbreitete Säftelehre Melancholiker (Erde), Phlegmatiker (Wasser), Sanguiniker (Luft) und Choleriker (Feuer) als verschiedene Temperaments-Typen beschrieben.

Diese Temperamentenlehre spielte auch in der frühen Psychologie eine bedeutsame Rolle und prägte die Forschung von Alfred Adler und Ivan Pavlow. Ab den 1960-Jahren wurde sogar ein fünftes Temperament entdeckt, dass einige den introvertierten Sanguiniker, andere ‚Supine‘ genannt haben.

Ab 2016 begann ich im Zusammenhang mit Hochsensitivität vom 5. Temperament zu sprechen und bezog mich auf die fünf Elemente-Lehre von Platon und Aristoteles (vgl. fünf platonische Körper unten).

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Der Äther als Element und Grundlage der Hochsensibilität

Neben den vier Elementen, die schon vom griechischen Philosophen Empedokles definiert wurden, sprachen Platon und Aristoteles vom Äther, dem feinsten, nicht materiellen Stoff, der Quintessenz alles physischen Seins. Diese Lehre finden wir auch heute noch in der ayurvedischen Medizin oder der buddhistischen Lehre, wo die Leere das fünfte Element ist. ‚Aither‚ bei den antiken Griechen bedeutete der obere Himmel, das Geistige.

Jutta Böttcher spricht bei Hochsensiblen davon, dass diese Menschen noch das Himmels-Gen in sich trügen. Eine treffende Metapher für die feingeistige aber auch verletzliche Art der Hochsensiblen.

Für einige Jahre war es bei mir selber ruhig um das Thema des 5. Temperamentes. Durch „Zufall“ wurde das Thema in den letzten Tagen bei mir wieder hochaktuell: Ich realisierte, dass das 5. Temperament der ‚Instrospektor‘ ist..

Der Hochsensitive als Introspektor

Das Bild der fünf Temperamente stellt sich wie folgt dar:

Das Spezielle am Temperament des Introspektors ist, dass die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet ist, währenddessen die anderen Temperamente nach aussen schauen und die Aussen-Welt verarbeiten. Das Temperament des Introspektors ist ausgewogen: grau enthält alles, bekennt aber keine Farbe. Man ist sozusagen alles und nichts, kann sich in alles hineinversetzen, ohne sich aber näher mit dem zu identifizieren, was man gegen aussen hin darstellt. Insofern ist das nach innen gerichtete Temperament nicht introvertiert: Auch der Introvertierte setzt sich mit der Welt auseinander, vor allem denkend.

Hochsensible können extravertiert oder introvertiert sein, es geht hier aber nur um Tendenzen. Der Hochsensible ist nach mir an sich zentrovertiert oder ambivertiert.

Die Darstellung des Introspektors erklärt auch, warum sich Hochsensible oder Hochsensitive meist anders fühlen als andere. Die vier nach aussengerichteten Typen haben nämlich die Blickrichtung gemeinsam. Es ist auch der Konflikt mit der modernen Welt klar ersichtlich, denn in unserer industriellen und medialen Welt zählen äussere und nicht innere Werte.

Ich habe immer wieder erwähnt, dass Hochsensitive eine erhöhte Weltwahrnehmung und eine verminderte Selbstwahrnehmung haben. Ein scheinbarer Widerspruch mit dem hier dargestellten. Doch diese Problematik der erhöhten Weltwahrnehmung ist womöglich gar nicht originär im Naturell des Hochsensitiven enthalten, sondern ist eher die defiziente (kompensatorische) Form des fünften Tempermamentes.

Die vielbesagte Hochsensibilität wäre, so der radikale Umkehrschluss, gar nicht das zentrale Merkmal der Hochsensiblen, sondern eine Folge von Verletzung und entsprechenden Schutzmechanismen. Sie kommen dann zum tragen, wenn wir die eigentliche Gabe der Introspektion verleugnen und versuchen, den anderen Temperamenten in der Sicht nach aussen nachzueifern. Die Hinwenung nach innen, den Hochsensiblen in Form von Selbstliebe, Selbst-Achtsamkeit, Selbst-Freundlichkeit etc. aufgetragen, wäre dann, auch eine Folge der radikalen Umdeutung, das eigentlich Wesenhafte des fünften Temperamentes und der Hochsensiblen.

Fazit und mein Angebot für dich

Die Introspektion ist für mich in der heutigen Welt vielleicht die am meisten benötigte Fähigkeit, um die Krise der Gegenwart als Mensch zu bewältigen. Zunehmende Feindbilder, Krieg, Zerfall der Demokratien, Klimakrise, das Auseinanderdriften von Reich und Arm… die ökologischen und sozialen Krisen-Szenarien verlangen Besinnung und das Entwickeln von neuen Werten. Hier sehe ich auch perspektivisch eine Mission der hochsensitiven Menschen: Eine Umkehr und Rettung bedeutet auch eine Innenkehr und das Schaffen von spirituellen anstatt materiellen Werten.

Die Entschlüsselung der Hochsensibiltiät ist die Grundlage für ein adätuates Verständnis und Handeln von Hochsensitiven. Wenn dich dieser Weg anspricht, lade ich dich herzlich ein, dich in meinen Lebensmatrix-Ausbildungen, Kursen und Begleitangeboten zu vertiefen. Gemeinsam gestalten wir einen Raum, in dem dein inneres Wachstum gefördert, reflektiert und gestärkt wird. Wenn du fragen hast, stehen wir unverbindlich und kostenlos im Rahmen eines telefonischen Infogespräches zur Verfügung. Wenn Du mehr wissen willst, zeigt dir eine Standortbestimmung im Rahmen eines Vorgespräches deine Ressourcen und Potenziale auf (CHF 150.–). Beide Angebote können online gebucht werden. 

Gemeinsam setzen wir den Fokus auf dein inneres Wachstum, damit du selbstbestimmt, lebendig und mit Freude deine Wahrheit leben kannst. Lass uns gemeinsam auf diese Reise gehen – für ein erfülltes, authentisches Leben im Einklang mit deinem wahren Selbst.

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15. Juni 2023

In wessen Köpfen ist es nicht tief verwurzelt: das hehre Ziel der Freiheit. Umso erstaunlicher mag es anmuten, dass in unserer Welt schier unendlicher Möglichkeiten und noch nie da gewesener finanzieller Ressourcen bei vielen Menschen das Gefühl vorherrscht, unfrei zu sein. Der Weg der Befreiung und Freiheit ist heute aktueller denn je.

Es gibt verschiedene Aspekte der Freiheit. Wir schauen uns diese Aspekte näher an.

Materielle Freiheit: Geld und Aspekte äusserer Freiheit

Ein Aspekt der Freiheit mag Geld sein. Geld eröffnet Möglichkeiten. Kein Geld zu haben macht unglücklich, macht unfrei. Umso mehr mag die sich öffnende Schere zwischen Arm und Reich, die zunehmende Armut hierzulande, zu denken geben.

Aber auch die Reichen können sich der Freiheit nicht gewiss sein. Zwar verfügen sie über die Mittel, aber es scheint, dass zunehmender Reichtum auch Ängsten vorschub leistet. Freiheit lässt sich nicht an äusseren Mitteln messen, denn letztlich ist Freiheit ein inneres Gefühl sich selber und dem Leben gegenüber. Man könnte hier auch von innerer Freiheit sprechen.

Soziale Freiheit: Mitbestimmung und politische Freiheit

Die soziale Freiheit ist gekennzeichnet durch verschiedene Ebenen. Auf einer Makro-Ebene kann es entscheidend sein, wieviele politische Freiheiten zum Beispiel ein Land seinen Bürgern bietet. Der Demokratie-Index misst demokratische Kennzeichen von Staaten. Sie sind zum Bespiel in skandinavischen Staaten stark vertreten und verschwinden in harten Autokratien wie Eritrea oder Nord-Korea. Interessant ist dabei etwa, dass die USA als selbsternanntes Land der Freiheit nur auf Platz 35 unter den funktionierenden Demokratien den letzten Platz einnimmt. Der tiefe Graben zwischen den Demokraten und Republikanern und die Verflechtung von Finanzwirtschaft und politischer Macht hinterlässt Spuren.

Innere Freiheit und spirituelle Freiheit

Ein eindrückliches Beispiel für innere Freiheit mag Diogenes von Sinope gewesen sein. Bekannt wurde er auch als Diogenes in der Tonne (oder im Fass).

Diogenes von Sinope lebte zeitweise in einem Fass

Diogenes war ein genügsamer griechischer Philosoph, der zuweilen in einem Fass übernachtete. Eine Anekdote erzählt, dass der grosse Feldherr Alexander der Grosse angetan war von der Genügsamkeit von Diogenes und ihn aufsuchte und versprach, dass er Diogenes jeden Wunsch erfüllen würde. Diogenes soll geantwortet haben: „Geh mir aus der Sonne“.

Aus vielen religiösen Traditionen ist der Wert der Nicht-Anhaftung etwa an materielle Güter oder Anerkennung bekannt. Durch Nicht-Anhaftung entsteht Freiheit.

Die Hindernisse der Freiheit und ein anschauliches Beispiel aus der Praxis

Ich selbst bin immer wieder in Gesprächen mit Menschen erstaunt, wie viele sich selber keine Handlungsspielräume einräumen und einfach ein von aussen vorgegebenes Programm abspulen. Sie drehen sprichwörtlich im Hamsterrad. Es scheint, dass sich viele daran gewöhnt haben, dass andere Freiheiten vielleicht sogar exzessiv auf Kosten anderer ausleben. Sie selber gönnen sich dieses Privileg nicht.

Ein Beispiel dafür ist Gregor. Er weiss von sich selber, dass er Konflikten aus dem Weg geht. Bereits mehrfach wurde er Opfer von Mobbing-Prozessen und weiss sich dann nicht zu helfen. Ein biografischer Rückblick macht deutlich, dass Gregor als Scheidungskind bei seiner Mutter aufgewachsen ist und von ihr eher männliche, fordernde Qualitäten zu spüren bekam als mütterlich einfühlsame Zuwendung. Der Weg der Befreiung und Freiheit war für ihn lange unzugänglich.

Fazit und mein Angebot für dich

Es war für mich damals vor Jahren eine eindrückliche Erfahrung, den Weg zur Freiheit mit Gregor gehen zu können. Ich habe ihn aufgefordert, eine Szene zu erinnern, wo er eine liebevolle mütterliche Zuwendung erfahren hat und zu spüren, was sich im Körper verändert. Georg spürte eine Kraft in sich aufsteigen. Als ich ihn aufforderte, seinen cholerischen Chef vor sich zu sehen, konnte er ihm mit Ruhe und Bestimmtheit begegnen.

Die Lebensmatrix als holisitisches Modell zeigt innerseelische Zusammenhänge auf, die zu einem tieferen Verständnis und zu einem transformativen Prozess frühren. Es ist die liebevolle Zuwendung einer Mutter, die dem Kind Sicherheit und Durchsetzungskraft, die Kraft zur Befreiung und Freiheit ebnet.

Lebensmatrix Horizontal-Schnitt: Durchsetzungskraft braucht als Nährboden Zuwendung

Handlungsanweisungen wie das Entwickeln von Wut und Kraft sind gut gemeint. Sie führen aber kaum zu einem nachhaltigen Erfolg, wenn diese Kraft nicht von einer liebevollen Zuwendung unterfüttert und beflügelt wird.

Der Weg zur Befreiung und Freiheit ist nicht einfach. Es gilt, zunächst die Voraussetzung zur Entwicklung der männlichen Extraversion zu schaffen.

Wenn dich dieser Weg anspricht, lade ich dich herzlich ein, dich in meinen Lebensmatrix-Ausbildungen, Kursen und Begleitangeboten zu vertiefen. Gemeinsam gestalten wir einen Raum, in dem dein inneres Wachstum gefördert, reflektiert und gestärkt wird. Wenn du fragen hast, stehen wir unverbindlich und kostenlos im Rahmen eines telefonischen Infogespräches zur Verfügung. Wenn du mehr wissen willst, zeigt dir eine Standortbestimmung im Rahmen eines Vorgespräches deine Ressourcen und Potenziale auf (CHF 150.–). Beide Angebote können online gebucht werden. 

Gemeinsam setzen wir den Fokus auf dein inneres Wachstum, damit du selbstbestimmt, lebendig und mit Freude deine Wahrheit leben kannst. Lass uns gemeinsam auf diese Reise gehen – für ein erfülltes, authentisches Leben im Einklang mit deinem wahren Selbst.

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