Wie du über deine Gefühle wieder mehr Verbindung zu dir selbst findest
Spaltung begegnet uns überall: in der Politik, in gesellschaftlichen Debatten und in persönlichen Beziehungen.
Immer öfter scheint es, als gäbe es nur noch zwei Möglichkeiten:
- dafür oder dagegen
- Freund oder Feind
- richtig oder falsch
Die Spaltung in der Welt können wir nicht alleine lösen! Was aber, wenn wir diese gesellschaftliche Dynamik als inneren Weg zu uns selbst nutzen könnten?
Wenn politische Gegner zu Feinden werden
In der amerikanischen Politik lässt sich beobachten, wie weit sich politische Lager voneinander entfernt haben. Der politische Gegner wird nicht mehr nur als jemand mit anderen Überzeugungen wahrgenommen, sondern zunehmend als Bedrohung von innen, als innerer Feind.
Auch während der Corona-Zeit wurde die Spaltung in vielen Ländern intensiv erlebt. Es ging um Fragen wie:
- Wie viel Schutz braucht es?
- Was darf der Staat vorschreiben?
- Wo beginnt die persönliche Freiheit?
- Wie gehen wir mit unterschiedlichen Einschätzungen um?
Oft wurden solche Fragen nicht mehr als Anlass für ein Gespräch oder einen echten Dialog verstanden. Sie wurden zum Grund, einander abzustempeln oder auszugrenzen.
Auch in Deutschland und anderen Ländern geraten der Dialog und die gemeinsame Verständigung unter Druck, während zugespitzte Positionen viel Aufmerksamkeit erhalten.
Eine Demokratie braucht Räume, in denen Unterschiede ausgehalten und Konflikte besprochen werden können. Ist das heute und in Zukunft eine Illusion? Gibt es Auswege aus der Tendenz einer zunehmenden Radikalisierung und Spaltung?
Kleine Brüche im Alltag
Spaltung zeigt sich nicht nur in Parlamenten und sozialen Medien. Manchmal begegnet sie uns ganz alltäglich: in Beziehungen, die unvermittelt abbrechen, oder in Kontakten, die ohne Erklärung versanden.
Eine junge Frau erzählte mir von einem Erlebnis beim Dating: Erst gab es einen lebhaften Austausch, dann kam plötzlich keine Antwort mehr. Im Jugendjargon: Ghosting.
Auch ich kenne ähnliche Situationen. Kunden interessieren sich für ein Angebot, sie meldeen sich an – und danach bleibt die Kommunikation aus.
Nicht jede unbeantwortete Nachricht ist ein Zeichen für eine tiefere gesellschaftliche Entwicklung. Menschen sind beschäftigt, unsicher oder ändern ihre Meinung. Und doch können solche Erfahrungen ein Gefühl von Beliebigkeit hinterlassen: als wären Verbindlichkeit und Kontinuität leichter aufzugeben als früher.
Kennst du das – wenn ein Kontakt plötzlich abbricht und du nicht weisst, woran du bist?
Reife entsteht auch dadurch, dass wir innere Spannungen wahrnehmen und mit ihnen umgehen lernen. Statt sie sofort wegzuschieben oder uns von ihnen bestimmen zu lassen, können wir innehalten und uns fragen:
- Was geschieht gerade in mir?
- Was fühle ich?
- Was brauche ich?
- Wie möchte ich mit der Situation umgehen?
Wo dieser innere Dialog fehlt, kann es schwieriger werden, in Beziehungen präsent und verlässlich zu bleiben.
Die Spaltung im Inneren
Die äussere Welt lässt sich nicht eins zu eins auf die menschliche Psyche übertragen. Psychische Erkrankungen sind vielfältig und sollten nicht als blosse «innere Spaltung» beschrieben werden.
Dennoch kann die Vorstellung eines inneren Dialogs hilfreich sein. In uns wirken verschiedene Bedürfnisse, Gefühle und Impulse:
- Ein Teil möchte Nähe, ein anderer Schutz.
- Ein Teil will etwas wagen, ein anderer warnt vor den Folgen.
- Ein Teil sehnt sich nach Veränderung, ein anderer hält am Vertrauten fest.
Gefühle verbinden unser äusseres Erleben mit inneren Vorgängen. Sie sind jedoch nicht immer eindeutige Botschaften, die sich einfach entschlüsseln lassen. Körperempfindungen, Erinnerungen, Erwartungen und die jeweilige Situation wirken zusammen.
Die Neurowissenschaftlerin Lisa Feldman Barrett beschreibt, wie das Gehirn Körpersignale und Erfahrungen einordnet und ihnen Bedeutung gibt. Die Forschung von Lauri Nummenmaa und seinem Team zeigt, dass Menschen emotionale Zustände häufig mit bestimmten körperlichen Empfindungen verbinden – mit erhöhter und verminderter Körperwahrnehmung (Embodiment).

Solche Empfindungen können Hinweise auf unser Erleben geben. Sie sind aber keine starren Landkarten, die für alle Menschen gleich funktionieren.

Was heisst das für dich?
Ein Gefühl ernst zu nehmen bedeutet nicht, ihm ungeprüft zu folgen. Es heisst zunächst, es wahrzunehmen und neugierig zu werden:
- Was geschieht gerade in meinem Körper?
- Was könnte dieses Gefühl mit der Situation zu tun haben?
- Wovor möchte ich mich vielleicht schützen?
- Welche Antwort entspricht meinen Werten?
Wenn wir innehalten, können wir ein Gefühl wahrnehmen, statt sofort darauf zu reagieren. So entsteht zwischen einem äusseren Reiz und unserer Antwort ein Moment, in dem wir wählen können, wie wir handeln möchten.
Gefühle wahrnehmen – und besser verstehen
Achtsamkeitsansätze wie MBSR – die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion – üben, Körperempfindungen, Gedanken und Gefühle aufmerksam wahrzunehmen, ohne sofort in automatische Reaktionen zu gehen.
Auch Eugene Gendlins Focusing lädt dazu ein, sich einer zunächst oft noch unklaren, körperlich spürbaren Bedeutung zuzuwenden. Dabei können Fragen helfen:
- Was fühlt sich in dieser Situation stimmig oder unstimmig an?
- Was zeigt sich, wenn ich meinem inneren Erleben Zeit gebe?
- Gibt es etwas, das ich bisher noch nicht in Worte fassen kann?
Das ist keine Technik, mit der sich jedes Gefühl auf Knopfdruck verändern lässt. Es ist eine Praxis des Wahrnehmens und Erkundens. Sie braucht Zeit, Wiederholung und die Bereitschaft, auch das zunächst Unklare auszuhalten.
Sich öffnen, ohne sich zu verlieren
Auch spirituelle Wege beschäftigen sich mit der Frage, wie wir der Welt begegnen können, ohne uns von ihr überwältigen zu lassen.
In buddhistischen Traditionen finden sich unterschiedliche Akzente. Manche Wege betonen stärker die Loslösung von Anhaftungen und die Befreiung vom Leiden. Im Mahayana und besonders im Vajrayana spielen zudem Mitgefühl, Verbundenheit und die Einbeziehung des Erlebens in den Übungsweg eine wichtige Rolle.
Das lässt sich nicht einfach als geradlinige Entwicklung vom Rückzug zur Öffnung verstehen. Doch es berührt eine Frage, die auch im Alltag bedeutsam ist:
Wie kannst du dich dem Leben zuwenden, ohne dich darin zu verlieren?
Vielleicht geht es weder darum, die Welt abzuwehren, noch darum, von allem mitgerissen zu werden. Es kann darum gehen, offen und zugleich innerlich präsent zu bleiben.
Auch der Psychotherapeut und spirituelle Lehrer Christian Meyer stellt das Fühlen und die unmittelbare Erfahrung in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Dabei bezieht er sich unter anderem auf den christlichen Mystiker Johannes Tauler.
Dessen Gedanken können daran erinnern, dass innere Wandlung nicht allein durch Nachdenken geschieht. Sie kann auch dort beginnen, wo wir uns unserem eigenen Erleben aufmerksam zuwenden.
Zusammenstehen als menschliche Antwort
Es gibt auch eine andere Seite: In einer akuten Krise zeigt sich oft, wie selbstverständlich Menschen füreinander da sein können.
Bei einem Grossbrand, einem Erdbeben oder einer Überschwemmung erhalten Betroffene Unterstützung. Hilfswerke wie die Glückskette rufen zur Solidarität auf. Dann wird sichtbar, dass Zusammenstehen und Mitgefühl zu unseren menschlichen Möglichkeiten gehören.
Zwei Lieder aus der Corona-Zeit bringen für mich diesen Gegensatz besonders schön zum Ausdruck:
Schon die Titel verweisen auf die Spannung zwischen Trennung und Verbundenheit. Wo ein Spalt sichtbar wird, entsteht zugleich die Frage: Wie können wir wieder aufeinander zugehen?
Die eigene Mitte wiederfinden
Was wir im Aussen beobachten, kann uns dazu einladen, nach innen zu schauen:
- Wo bin ich selbst festgefahren?
- Welche inneren Stimmen kommen kaum zu Wort?
- Wo reagiere ich vorschnell, statt innezuhalten?
- Welche Seiten von mir bestimmen mein Handeln – und welche bleiben im Hintergrund?
Hier setzt die Arbeit mit Psychophänomenologie, Lebensmatrix und Integralem Tiefen Coaching an. Im Mittelpunkt steht das eigene Erleben: Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und wiederkehrende Beziehungsmuster.
Ziel ist es, diese bewusster wahrzunehmen, innere Konflikte besser zu verstehen und die eigene Selbstregulation zu stärken.
Die Lebensmatrix als Landkarte
Die Lebensmatrix verstehen wir als eine Landkarte für Muster, innere Anteile und archetypische Kräfte. Sie soll dich nicht in eine Schublade stecken. Vielmehr kann sie dir helfen, dich differenzierter wahrzunehmen und mehr Wahlfreiheit im eigenen Handeln zu entwickeln.

Dabei geht es nicht nur um Gefühle und Reaktionsweisen, die du bereits kennst. Die Arbeit kann auch Fragen aufwerfen:
- Welche Gefühle sind mir kaum zugänglich?
- Welche inneren Kräfte kommen in meinem Leben wenig oder gar nicht vor?
- Was habe ich vielleicht gelernt, nicht zu fühlen oder nicht zu zeigen?
In diesem Sinn kann die Arbeit mit der Lebensmatrix auch Zugänge zu dem eröffnen, was C. G. Jung als Schatten bezeichnete: Seiten des eigenen Erlebens, die wir nicht ohne Weiteres als zu uns gehörig anerkennen oder die im Alltag wenig Raum bekommen.
Schattenarbeit bedeutet nicht, verborgene Anteile einfach freizulegen oder jede innere Regung auszuleben. Es geht darum, sie behutsam wahrzunehmen, zu verstehen und bewusster mit ihnen umzugehen.
Was könnte sich verändern, wenn bisher wenig beachtete Seiten von dir mehr Raum bekämen?
Veränderung ist ein Weg
Im Integralen Tiefen Coaching beziehen wir neben dem Gespräch auch Körperwahrnehmung und emotionale Zustände ein. So kann ein geschützter Rahmen entstehen, um bisher wenig beachtete Seiten behutsam kennenzulernen und in das eigene Leben einzubeziehen.
Achtsamkeitsarbeit ist kein Knopfdruck-Verfahren und kein schneller Weg, innere Spannungen einfach loszuwerden. Sie ist ein Prozess, in dem Wahrnehmung, Selbstverständnis und Selbstregulation wachsen können.
Ein begleitendes Gruppen-Coaching kann diesen Weg unterstützen. In einer Gruppe können Menschen:
- ihre Erfahrungen reflektieren
- voneinander lernen
- neue Formen des Umgangs mit sich selbst erproben
- erleben, dass sie mit ihren Fragen nicht allein sind
Die LebensArt-Gruppen können ein solches Treibhaus für inneres Wachstum sein. Sie bieten einen Rahmen, in dem du deine Innenwelt erkunden und deinen Umgang mit Gefühlen bewusster gestalten kannst.
Es geht nicht darum, dich von der Welt zurückzuziehen oder jede innere Spannung aufzulösen. Es geht darum, dich deinem Erleben zuzuwenden und daraus neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken.
Diese Arbeit ersetzt keine Psychotherapie oder medizinische Behandlung. Für Menschen, die sich mit ihrer persönlichen Entwicklung befassen möchten, kann sie jedoch eine Möglichkeit sein, die eigene Innenorientierung zu vertiefen.
Vom Gegeneinander zum Dialog
Spaltung ist nicht nur etwas, das «die anderen» betrifft. Sie kann in öffentlichen Debatten, in unseren Beziehungen und in unserem eigenen Erleben auftauchen.
Die Antwort darauf muss nicht darin bestehen, alle Unterschiede zu beseitigen. Vielleicht beginnt sie damit, den Dialog wieder zu ermöglichen – mit anderen und mit uns selbst. Und Dialog setzt Fühlen (wer bin ich, was will ich) und Empathie (wer bist du, was willst du) voraus.
Zusammenhalt entsteht nicht dadurch, dass wir immer einer Meinung sind. Er wächst, wenn wir Unterschiede aushalten, Verantwortung übernehmen und trotz Konflikten in Beziehung bleiben können.
Und vielleicht beginnt innere Balance genau dort: wo wir unsere widersprüchlichen Seiten nicht länger gegeneinander ausspielen (These und Antithese), sondern ihnen zuhören, so dass in uns neue Synthesen entstehen.
Möchtest du diesen Weg für dich erkunden?
Bei LebensArt findest du Angebote rund um Lebensmatrix und Integrales Tiefen Coaching – darunter Gruppenangebote und verschiedene Module zur Selbstbeobachtung, zur Arbeit mit inneren Anteilen und zur persönlichen Entwicklung.
Ich biete ein kostenloses telefonisches Informations- oder Vorgespräch an. Dabei können wir:
- uns kennenlernen
- gemeinsam eine erste Standortbestimmung vornehmen
- mögliche nächste Schritte besprechen
- klären, ob die Gruppen-Coaching-Module zu dir und deiner Situation passen
So kannst du in Ruhe herausfinden, ob dieser Ansatz für dich stimmig ist.