Dezember 2011 Gespräch mit Martin Bertsch

Z.: Du hast das Thema Hochsensibilität aufgegriffen, warum?
Martin Bertsch: Das Thema war für das Verständnis von mir und meiner Mitwelt von zentraler Wichtigkeit in meinem aktuellen Erkenntnisprozess. Vielen Menschen ergeht es ähnlich. Nebst der Erkenntnis zu schwierigen Punkten der Hochsensibilität habe ich auch gemerkt, dass ich meinen Kunden durch meine Hochsensibilität etwas bieten kann, was speziell ist. Und ich habe gemerkt, dass ich am besten mit Hochsensiblen zusammenarbeite und mit Menschen, die meine Sensibilität schätzen.

Z.: Wie zeigte sich Deine Hochsensibilität in der Kindheit und Jugendzeit?
Martin Bertsch: Als Kind galt ich als Träumer. Meine ausgeprägte Vorstellungskraft und Fantasie prägten meine Kindheit: Mir wurde es nie langweilig, ich erfand immer neue Spiele. Für die Lehrer muss ich oft ein Rätsel gewesen sein. Man schickte mich zum Ohrenarzt, weil ich oft nicht reagierte, ich einfach in meiner Innenwelt war. Ich lebte in meiner Kindheit und Jugendzeit in einer behüteten Welt. Tiefe philosophische Fragen über das Wesen des Lebens bewegten mich und es war mir völlig unmöglich, etwa über andere Menschen negativ zu denken. Meine Jugend schliesslich war intensiv. Ich überschritt Grenzen und erkundete meine Innenwelt in tiefsten Meditationen. Ich erfuhr, dass ich nicht mein Körper bin und erlebte eine unendliche innere Weite und ein inneres Licht.

Z.: Wie ist das Leben in einer hochsensiblen Familie?
Martin Bertsch: Es ist eine grosse Herausforderung. Klar wünscht man sich als Vater durchschlafen zu können, besonders wenn man hochsensibel ist. Klar aber auch, dass hochsensible Kinder eben nicht leicht durchschlafen. Das kann sehr belastend sein, vor allem, wenn Kinder durch eine Reizsättigung überdrehen. Und es ist schwierig, als Hochsensibler nicht nur sich selber, sondern auch noch einer Familie Schutz zu bieten.

Z.: Du bietest Coaching für Hochsensible an sowie zwei Kurs-Formate für Hochsensible an: Was ist das Ziel?
Martin Bertsch: Es sind drei Dinge, zunächst geht es um die Selbsterkenntnis der Hochsensibilität. Dann geht es aber auch um das Selbstmanagement: Wie kann ich mich fokussieren auf das Wesentliche, Ansprüche herunterbrechen, Zeit- und Arbeitsmanagement und nicht zuletzt Pausenmanagement in der Griff gekommen. Schliesslich habe ich aber auch einen speziellen Ansatz: Ich meine, dass Hochsensibilität mit einer handlungsleitenden Achtsamkeit balanciert werden müsste. Wir sind aufgefordert, mit der Informationsflut achtsam umzugehen, die Achtsamkeit kann einen Fokus bringen. Hier habe ich spezielle Übungen entwickelt.

Z.: Was bringt uns das anstehende neue Jahr sonst noch?
Martin Bertsch: Ein Herzensprojekt ist natürlich die Ausbildung zum Visions Coach, die ich anstrebe. Ich habe derzeit ein Konzept entworfen mit einer praxisorientierten Ausbildung. Zumal ich in anderen Ausbildungen als Trainer, Ausbildner und Ausbildungsverantwortlicher wirke, war es naheliegend, auch dasjenige Thema für Trainings anzupacken, das mir am nächsten liegt.

Z.: Für wen eignet sich die Ausbildung?
Martin Bertsch: Sie richtet sich an Menschen, die bereits Erfahrungen haben im Bereich Beratung und Kommunikation, Menschen, die in sozialen, pädagogischen oder pflegenden Berufen tätig sind oder anderweitig ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Es soll eine Kompetenzerweiterung sein für diejenigen, die mit Menschn zusammenarbeiten. Grundlage hierfür ist die Visions Lernwerkstatt der Visions- und Projektwerkstatt mit über siebzig Beratungs-Tools. Dann geht es aber auch um die erfolgreiche Einbettung dieser Instrumente.

Z.: Martin Bertsch, herzlichen Dank für das Gespräch.

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